Testbericht: Photoshop Express (Online)

Mit Photoshop Express stellt der amerikanische Grafikspezialist Adobe seine erste Online-Bildbearbeitung vor, die mit Galerie- und Bearbeitungsfunktionen ausgestattet ist und zwei GByte kostenfreien Speicherplatz pro Nutzer bereitstellt.

Photoshop Express stellt einfache Drehfunktionen, das Versenden einzelner Bilder per Mail sowie eine Editiermöglichkeiten bereit.
Photoshop Express stellt einfache Bildverwaltungsfunktionen, das Versenden einzelner Bilder per Mail, einige Editiermöglichkeiten bereit sowie die Möglichkeit, das Material in interaktiven Web-Präsentationen zugänglich zu machen.

Nach der ersten Veröffentlichung von Photoshop Express im März hagelte es zunächst Proteste der Internetgemeinde gegen die Geschäftsbedingungen, bei der sich der Grafiksoftware-Branchenführer unter anderem das Recht auf die Lizenzierung der Bilder an Dritte zugestand. Nach der Beseitigung der umstrittenen Paragraphen will der nachfolgende Artikel nun klären, was das neue Online-Werkzeug zu bieten hat.

Pro & Contra: Online-Bildbearbeitung

Im Gegensatz zur Offline-Nutzung gibt der Nutzer bei der Bildbearbeitung im Browser einen Teil seiner Entscheidungsbefugnisse an den Anbieter der Online-Lösung weiter – im schlimmsten Fall würde der Nutzer dadurch die Kontrolle über das hoch geladene Pixelmaterial verlieren. Bei namhaften Anbietern wie Adobe sollte man jedoch von derartigem Gebaren absehen können. Inwieweit man die eigene Privatsphäre schätzt und durch die Veröffentlichung von Bildern im Internet gefährdet, bleibt schlussendlich eine persönliche Entscheidung, vor allem bei intimen Material sollte man sich die Entscheidung jedoch lieber zweimal durch den Kopf gehen lassen, erst recht, wenn ungefragte Dritte davon betroffen sind. Unbestritten sind aber auch die Vorteile der Online-Bearbeitung: Eine Software-Installation ist überflüssig – einen Browser und der für Photoshop Express notwendige Flash-9-Player einmal ausgenommen. Der Zugriff auf das eigene Bildmaterial ist so von jedem internetfähigen PC aus möglich, wer möchte, kann mit Photoshop Express auch eigene Web-Galerien erstellen und so anderen die Möglichkeit bieten, auf entsprechende Pixelsammlungen zurückzugreifen. Nicht zuletzt die große Beliebtheit von Fotogemeinschaften wie Flickr zeigt das Bedürfnis vieler Menschen auf, sich in so genannten „Sozialen Netzwerken“ zu präsentieren.

Die Anmeldung per E-Mail ist unkompliziert, Photoshop Express setzt jedoch einen Browser mit Flash-9-kompatibler Erweiterung voraus.
Die Anmeldung per E-Mail ist unkompliziert, Photoshop Express setzt jedoch einen Browser mit Flash-9-kompatibler Erweiterung voraus.

Anmeldung und Funktionen

Wer Photoshop Express nutzen möchte, muss sich zuvor per E-Mail und der Angabe von Name, Vorname sowie dem Herkunftsland (bisher steht dort nur „United States“ zur Auswahl) registrieren. Außerdem kann man eine Webadresse der Form „mustermann.photoshop.com“ anlegen, auf der später freigegebenes Pixelmaterial in einer öffentlich zugänglichen Web-Fotogalerie und schicker Diaschau-Funktion zur Verfügung steht. Die derzeit öffentliche Beta-Version von Photoshop Express kommt leider nur mit einer englischsprachigen Nutzeroberfläche daher.

Nach dem ersten Login präsentiert sich ein dreigeteilter Startbildschirm: Unter „My Photos“ lässt sich neues Bildermaterial hochladen, bearbeiten und verwalten, unter „My Gallery“ können veröffentlichte Fotos begutachtet werden, „Browser“ ermöglicht den Zugriff auf freigegebene Galerien anderer Nutzer.

Über das Startfenster von Photoshop Express lassen sich Bilder hochladen, verwalten sowie eigene Galerien und die anderer Nutzer begutachten.
Über das Startfenster von Photoshop Express lassen sich Bilder hochladen, verwalten sowie eigene Galerien und die anderer Nutzer begutachten.

In der Rubrik „myPhotos“ können nun Bilder hochgeladen (leider nur einzeln) und in unterschiedliche Alben abgelegt werden. Auch ein Versenden per E-Mail und Textnachricht ist möglich, noch können aber nur einzelne Bilder verschickt werden, ebenso lassen sich Bewertungen und Namen vergeben, Bilder drehen oder mit individuellen Webadressen versehen. Metadaten zur professionellen Verwaltung großer Pixelmengen, etwa nach IPTC-Standard, werden nicht unterstützt und können leider auch nicht editiert werden. Über entsprechende Buttons im oberen rechten Bildschirmbereich ist es immerhin möglich, die Vorschaubilder zu skalieren.

Photoshop Express stellt einfache Drehfunktionen, das Versenden einzelner Bilder per Mail sowie eine Editiermöglichkeiten bereit.
Photoshop Express stellt einfache Drehfunktionen, das Versenden einzelner Bilder per Mail sowie einige Editiermöglichkeiten bereit.

Die Thumbnail-Größe der Vorschaubilder kann über eine Steuerung den eigenen Vorstellungen angepasst werden.
Die Thumbnail-Größe der Vorschaubilder kann über eine Steuerung den eigenen Vorstellungen angepasst werden.

Neben diesen Verwaltungswerkzeugen stellt Photoshop Express einige grundsätzliche Bearbeitungsfunktionen bereit, die sich in die Bereiche „Basics“, „Tuning“ und „Effects“ gliedern. Dazu gehört unter anderem auch das automatische Korrigieren von Tonwerten, Helligkeit, Kontrast und Farbe, das Entfernen roter Augen, das Beschneiden und Freistellen von Bildinformationen, das Nachschärfen und Weichzeichnen sowie diverse Effekte wie Verzerrungen („Distort“), Comicfunktion („Sketch“) oder das Umwandeln in ein Schwarzweiß-Bild. Jede Funktion lässt sich über Auswahlbilder mehr oder weniger an die persönlichen Vorlieben anpassen, besonders praktisch ist jedoch die nicht-destruktive Arbeitsweise, die es auch nach dem Abspeichern von Änderungen ermöglicht, das Bild in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen.

Bei Photoshop Express hat der Nutzer keine direkte Möglichkeit, Effekte anzupassen, sondern wählt lediglich zwischen verschiedenen Auswahlfenstern. Alle Änderungen lassen sich auch nach dem Speichern wieder rückgängig machen.
Bei Photoshop Express hat der Nutzer keine direkte Möglichkeit, Effekte anzupassen, sondern wählt lediglich zwischen verschiedenen Auswahlfenstern. Alle Änderungen lassen sich auch nach dem Speichern wieder rückgängig machen.

Fazit: Photoshop Express beinhaltet zwar den Namen der bekannten Adobschen Grafikapplikation für PC und Mac, hat mit eben dieser aber wenig gemeinsam, die Oberfläche erinnert eher an die Fotoverwaltung Lightroom. Die rudimentären Bildverwaltungs- und Bearbeitungsfunktionen lassen sich zwar gut über die recht schicke Weboberfläche erreichen, für ambitionierte Anwender ist das aber zu wenig. Für Privatpersonen, die eine einfache und unkomplizierte Möglichkeit suchen, Bilder online zu bearbeiten, Änderungen später wieder zu verwerfen und anderen Pixelmaterial zugänglich zu machen, kann das Ausprobieren aber lohnen – bleibt zu hoffen, das Adobe später eine deutschsprachige Nutzeroberfläche nachschiebt.

Netzauftritt: photoshop.com/express

Kategorie im Netzverzeichnis: Photoshop

| | 12. April 2008 5060 x gelesen Schlagwörter: bildbearbeitung, flash, nicht-destruktive bildbearbeitung, online, photoshop express

Waren diese Informationen hilfreich?

  • Currently 5.00/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Rating: 5.0/5(2 votes cast)

Artikel als Lesezeichen speichern:

Mister Wong del.icio.us Yahoo MyWeb Google Technorati Furl YiGG Taggle Folkd BlinkList Linkarena

Folgende Artikel könnten ebenfalls ihr Interesse wecken:


Bildbearbeitung-Spezial: „PhotoScape“ (Freeware, Windows XP / Vista)

Google-Trick: Suchergebnisse nach Datum sortierenBatch-Konvertierung, elegante Bilderrahmen, Fotoalben, Sprechblasen-Effekte, Antike Verfremdungswerkzeuge, Passfoto-Generator, GIF-Verfilmer und Bildverwaltungslösung in einem: Bei vergleichsweise geringem Einarbeitungsaufwand lässt sich mit „PhotoScape“ eine ganze Menge anstellen.

...mehr darüber! veröffentlicht am 29. April 2008 in den Themengebieten Kommentare

Pop-Art am PC: „Andy Warhol Replicator / Pop Art Studio 2.0”

Andy Warhol Replicator / Pop Art Studio Irfan View - Andy Warhol am PC imitierenAm 09. Mai soll beim Auktionator „Christie’s“ in New York Warhols wohl prominentestes Werk unter den Hammer kommen: Mit einem Schätzwert von rund 11 Millionen Euro ist „Lemon Marilyn“ aber eher für den kapitalkräftigen Kunst-Fetischisten geeignet – dafür kann Ottonormalverbraucher mit der holländischen Trial-Version von „Pop Art Studio“ auf relativ simple Art und Weise ähnliche Effekte am heimischen Rechner erzielen.

...mehr darüber! veröffentlicht am 21. März 2007 in den Themengebieten Kommentare

Virtuelle Bilderlandschaften mit „Photosynth“

Microsoft Labs PhotosynthMit „Photosynth“ stellen die „Microsoft Live Labs“ in Zusammenarbeit mit der Universität Washington einen sogenannten „Tech Preview“ ihrer 3D-Bildkataloglösung vor. Eigenes Pixelmaterial lässt sich dort zwar vorerst nicht integrieren, erste Einblicke
– mit der ausschließlich im Internet Explorer Sechs oder Sieben laufenden ActiveX-Anwendung – können trotzdem gewonnen werden.

...mehr darüber! veröffentlicht am 19. Dezember 2006 in den Themengebieten Kommentare

Leserkommentare

Artikel kommentieren