Spezial: Samsung SpinPoint F1 HD103UJ mit 1000 GB im Test

Vor wenigen Jahren noch undenkbar, dank neuer Aufzeichnungstechniken wie Perpendicular Recording heutzutage schon fast Normalität: Die aktuellen Festplattenmodelle von Hitachi, Samsung, Seagate und Western Digital erreichen inzwischen mühelos die Terabyte-Grenze, und zwar zu bezahlbaren Preisen. Wie sah es in der Vergangenheit aus, was bringt die Zukunft, wozu braucht man derart riesige Datentresore und was leistet Samsungs Speicherriese in der Praxis? Der nachfolgende Artikel versucht, die passenden Antworten zu finden.

Rückblick

In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts besaßen Festplatten noch Bücherschrankgröße, inklusive zugehöriger Peripherie waren die klobigen Zeitgenossen in Studenten-WGs gar unvorstell- und bezahlbar – vom Wohlfühlwärme erzeugenden 10KW-Stromverbrauch mal ganz abzusehen. Immerhin bot IBMs „350 RAMDAC“ fünf MB Speicherplatz, zu kaufen gab es die Technik allerdings nicht, sie durfte von „Big Blue“ gemietet werden. Weiterführendes Material und einen interessanten Rückblick gleichermaßen bietet ein hundert Seiten starkes, deutschsprachiges PDF-Dokument vom IT-Pionier, welches sich hier findet.

Kellerfüllendess Festplattenmonster aus den 50er Jahren: IBM 350 RAMDAC

Kellerfüllendes Festplatteninterieur: IBMs 350 RAMDAC, Quelle: Wikipedia

Seitdem hat sich die Festplattenkapazität in schwindelerregender Geschwindigkeit gesteigert, möglich wurde dies nicht zuletzt durch die Forschungsarbeiten des deutschen Physik-Nobelpreisträgers Peter Grünberg und dem Franzosen Albert Fert, welche mit der Entdeckung des GMR-Effekts (Riesenmagnetwiderstand) noch größere Kapazitäten mit herkömmlicher, ferromagnetischer Speichertechnik ermöglichten. 1997 wurde die 10-GB-Grenze überschritten, 2001 waren es schon 80 GB, drei Jahre später 160 GB und 2007 gar 1000 GB. Neben expotenziellem Kapazitätswachstum hat auch die Einführung von einheitlichen Schnittstellen zwischen PC und HDD einen positiven Beitrag zur Entwicklung des Festplatten-Massenmarkts beigetragen, namentlich erwähnt seien dabei der ATA/IDE-Standard von Western Digital (1986), SCSI (verbreitet bei Server-Systemen, 80er Jahre) und SATA (seit 2002). Letzterer Standard bietet neben höheren Übertragungsgeschwindigkeiten auch weniger Kabel-Kuddelmuddel dank dünnerer Leitungen, was der Kühlung kompakterer Systeme zugute kommt.

Datensicherheit

Analog, lange Haltbarkeit, Stromunabhängig: Papiergebundene Wissensspeicher.

Lesekompatibel und verhältnismäßig robust: Papiergebundenes Wissen in historischen Konversations-Lexika

In einem über hundert Jahre alten Konversationslexika lässt sich auch heutzutage noch wunderbar Schmökern, im Gegensatz zu papiergebundenen Wissensspeichern ist die Lebensdauer magnetischer Datentresore deutlich kürzer und zudem schlecht kalkulierbar. Was wird aus dem alten Festplattenfuhrpark, wenn neuere Mainboards auf den alten IDE-Standard verzichten? Zwar bieten so genannte SMART-Werte einen verhältnismäßig guten Überblick über den aktuellen Gesundheitszustand einer Festplatte, auf regelmäßige Backups persönlicher Daten kann und sollte man dennoch nicht verzichten. Hinzu kommt die Entwicklung neuer, zueinander inkompatibler Dateisysteme. Der rasante Fortschritt hat eben nicht nur seine Sonnenseiten.

Samsung SpinPoint F1

Derzeit günstigste Terabyte-Festplatte: Samsung SpinPoint F1

Mit rund 120,- Euro derzeit preisgünstigste TB-Platte: Samsung SpinPoint F1 (HD103UJ)

Samsungs werbewirksame Speicherangabe von 1000 GB entspricht freilich nicht der Netto-Kapazität von 953.670 MByte (MiB). Ursache hierfür sind unterschiedliche Auffassungen über den entsprechenden Umrechnungsfaktor. Während sich die Festplattenhersteller i.d.R. der international üblichen SI-Präfixe bedienen, d.h. den Faktor 1000 (Zehnerbasis) bemühen, nimmt Windows den Faktor 1024 (Zweierbasis, Binärpräfixe) als Maßstab. Kurzum: 1 TB, 1000 GB (1000.000.000 Byte) / 1024 /1024 entsprechen einer nominellen Kapazität von rund 953.670 MiB (umgangssprachlich: MByte). Eine umfassende Erläuterung dieser durchaus verwirrenden Problematik findet sich hier.

Ansonsten bietet Samsungs F1 satte 32 MB Puffer, der Motor bringt die drei Magnetscheiben auf 7200 Umdrehungen pro Minute. Dank Serial-ATA-2-Standard (inkl. Native Command Queuing) liegt die theoretisch maximal erreichbare Datenübertragungsbandbreite bei 3.0 Gbit/s, was 375 MByte pro Sekunde entspricht. Das Testsystem auf Basis eines etwa zwei Jahre alten nForce430-Chipsatzes erreicht im Test maximal 113 MByte pro Sekunde beim sequenziellen Lesen/Schreiben, im Durchschnitt sind es immerhin rund 90 MByte/s. Als Testprogramm diente das aus der C’t bekannte Benchmark-Werkzeug H2benchw (siehe Messergebnisse).

Im Vergleich zu anderen Festplatten bedeuten die gemessenen Werte eine Platzierung in der Performance-Spitzengruppe. Die mit SpeedFan ermittelten SMART-Werte geben ebenfalls keinen Grund zur Beanstandung, einzig allein der etwas lahm anlaufende Motor („Spin Up Time“) trübt den ersten Eindruck, wenn auch nicht in bedrohlichem Ausmaß. Die F1 brummt in einem recht tiefen Ton, prinzipiell ist die Lärmentwicklung wahrnehmbar, aber nicht störend. Unter Last erhitzt sich die Alu-Oberfläche der F1 auf etwas mehr als handwarme Temperaturen, bleibt aber auch hier im grünen Bereich.

Messergebnisse:

Die S.M.A.R.T-Werte der Samsung SpinPoint F1 sind in Ordnung.

SpeedFan Die Performance der Samsung SpinPoint F1 liegt im oberen Leistungsbereich. Hier die Messwerte des C't-Festplattenbenchmarkwerkzeugs H2benchw.

H2benchw Sequentielle Lesegeschwindigkeit der Samsung SpinPoint F1 mit HD Tach.

HD Tach Messergebnisse mit dem Windows Read Speed Test.

Windows-eigener Lesetest

Verwendungszweck

1 TB wollen freilich erst einmal befüllt sein. Der Griff zur größeren Platte kann dabei in mehreren Fällen lohnen. Möchte man beispielsweise ältere, kleinere HDDs durch einen großen Datenträger ersetzen, spart das nicht nur Kabelsalat, sondern auch Strom. Enorme Speichermassen erfordert digitaler Videoschnitt am PC, hier ist man mit großen Kapazitäten gut beraten. Audiophile Zeitgenossen bekommen außerdem die Möglichkeit, die heimische CD-Sammlung, beispielsweise im freien FLAC-Format, verlustfrei auf dem PC zu archivieren.

Neue Herausforderungen stellen außerdem HD-Videos, die ebenfalls nicht zimperlich mit den Speicheranforderungen umgehen. Eine lokale Offline-Wikipedia-Ausgabe inklusive kleiner Vorschau-Bilder kommt ebenfalls auf gut 50 GByte Speicherkapazität, wer mehrere Betriebssysteme auf unterschiedlichen Partitionen testen möchte, fährt mit viel Speicher ebenfalls besser. Weniger Speicher-kritisch sind digitale Bildersammlungen und alltägliche Office-Anwendungen. Hier lohnt unter Umständen der Griff zu energiesparenden und kompakten 2.5-Zoll-Platten, 320 GB sind hier schon für rund 80,- Euro zu haben.

Fazit und Alternativen

Samsungs SpinPoint F1 mag mit rund 120,- Euro der derzeit preisgünstigste 1000-GB-Speicherbolide sein, zumindest Western Digital bietet mit seiner RE2 GP aber eine durchaus attraktive und energiesparende Modellserie an, die nach eigenen Angaben 4-5 Watt weniger verheizt als vergleichbare Konkurrenzprodukte. Zwar spart dieser Unterschied derzeit nicht mehr als 10,- Euro an Energiekosten (im Dauerbetrieb) pro Jahr ein, lobenswert ist WD’s Engagement in Richtung energieeffizienterer Speicherprodukte aber allemal. Die WD RE2 GP mit 1000 GB ist für rund 150,- Euro erhältlich.

Samsungs F1 läuft recht schnell, Lärm und Wärmeentwicklung halten sich im grünen Bereich, wenn auch nicht auf TOP-Niveau. Neben Platten herkömmlicher Bauweise sind außerdem so genannte SSDs (Solid State Drives) auf Flash-Basis der neuste Trend, die den Stromverbrauch noch einmal deutlich senken, keinen durch Mechanik begründeten Lärm und deutlich weniger Abwärme als herkömmlichen Festplatten verursachen, relativ robust gegen äußere Gewalteinwirkungen, dafür aber auch sehr preisintensive Produkte sind. Ältere Modelle sind zudem trotz sehr schneller Zugriffszeiten schnarchlangsam, neuere, schnellere Serien ab 16 GB Kapazität kosten derzeit mindestens 200,- Euro.

| | 7. Mai 2008 16917 x gelesen Schlagwörter: hardware, hdd, samsung spinpoint f1 hd103uj, sata 2, speichertechnik, terabyte-festplatten

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