Spezial: Mac – Bericht eines Umsteigers (Teil 1)

Langsam, aber beständig knabbert Apple mit dem Macintosh und Mac OS X am uneinholbar scheinenden Marktanteil von Microsoft Windows, und selten war die mediale Präsenz bei der Einführung des neuen Betriebssystems Mac OS X 10.5 alias Leopard im Oktober 2007 ausgeprägter. Zeit, sich mit einem Windows-Umsteiger über die Vorteile bzw. Nachteile der Apfelware zu unterhalten.

Martin: Wann hast du denn den Ehebruch mit Microsoft begangen?

Patrick: Anfang des Jahres im März 2008, die Entscheidung für den Mac ist aber schon vor über einem Jahr gefallen. Der relativ hohe Preis hat mir eben doch noch etwas Sparsamkeit verordnet.

Martin: Und wie kommt man auf die Idee, das Betriebssystem zu wechseln?

Patrick: Das hat mit dem Studium der Informatik an der TU Ilmenau zu tun. Als Informatiker wollte ich einfach mal etwas mehr kennen lernen als Windows. Vor drei Jahren hatte ich mich schon einmal mit SUSE Linux beschäftigt, das dann aber nicht weiterverfolgt, weil ich damit einige Probleme hatte. Zum Beispiel ist beim Musikhören das gesamte System abgestürzt. Der Schritt von Windows zu Linux war einfach zu groß. Ohne Konsolenkenntnisse kann man mit Linux nicht wirklich viel als Neuling anfangen, das ist heute aber vielleicht auch anders geworden. An der Gesamtschule gab es einige Vorträge über Betriebssysteme wie DOS, Windows und auch Mac OS X, und es hat mich damals einfach fasziniert, was man durch die Kombination von Hardware und Software an Leistung herausholen kann. Das war eigentlich der Knackpunkt.

Martin: Welche Vorteile gegenüber herkömmlicher PC-Technik mit Windows bietet mir Mac OS X 10.5?

Patrick: Allgemein sind Apple-Systeme recht teuer, aber die Hardwarequalität meines MacBook Pro, speziell der Bildschirm und die Akkulaufzeit von über vier Stunden sind eben auch wirklich sehr gut. Das Betriebssystem Mac OS X gibt es eben nur in Kombination mit Apple-Hardware. Diese Kombination ist schnell, stabil und komfortabel. Zum Beispiel entfällt das Aktualisieren der Treiber. Wenn man sich über den Mac informiert, bekommt man auch schnell mit, das bestimmte Sachen schon vor Jahren im System integriert wurden, die Microsoft in Windows erst später nachbesserte. Die Sidebar von Windows Vista gibt es auf Apples Systemen in ähnlicher Form schon seit vielen Jahren. Mit Windows hat man außerdem viel mit Systemreinigung und Defragmentierung zu tun, diese Dinge entfallen beim Mac in der Regel. Man kann eben zuverlässig mit dem System arbeiten.

Martin: Für Windows gibt es tausende Open-Source und Freeware-Lösungen gratis. Mit manchen lässt sich sogar ein täuschend echter Mac-Desktop auf die Beine stellen. Was hältst du von solchen Lösungen?

Patrick: Windows-Programme können das vielleicht recht gut vortäuschen, aber zum Beispiel die systemübergreifende Suche Spotlight gibt’s eben doch nicht. Damit kann man fast alles aufspüren, zum Beispiel PDF-Dokumente, Bilder, Musik, aber auch Kalendereinträge. Mac bietet einfach das bessere Funktions-Gesamtkonzept, sodass man eigentlich nicht viel zusätzliche Software benötigt.

Martin: Und wie sieht es mit der zur Verfügung stehenden Zusatz-Software aus?

Patrick: Im Internet werden inzwischen viele Programme für den Mac angeboten. Die Auswahl ist deutlich gewachsen, zum Beispiel mit Mozilla Firefox, Mozilla Thunderbird, Open Office usw. Die Software, die ich vorher unter Windows genutzt habe, kann ich prinzipiell auch mit dem Mac nutzen, wenn man von Computerspielen einmal absieht. Da ist die Lage eben wackliger als bei Windows.

Martin: War Mac OS X 10.5 – also Leopard – ein Grund für den Wechsel?

Patrick: Kennen gelernt habe ich den Mac durch OS X 10.5, OS X 10.2 gilt zum Beispiel als das stabilste und sicherste Betriebssystem was es überhaupt gibt. Leopard war aber nicht der ausschlaggebende Grund. Mac OS X ist schon seit Jahren stabil und sicher.

Martin: Hat Apples Design eine Rolle bei der Kaufentscheidung gespielt?

Patrick: Eigentlich nicht, sie haben zwar ein schickes Design, ich habe das aber eher als nette Zugabe empfunden.

Martin: Was empfiehlst du Wechsel-Willigen? Was sollte man beachten, was sind deine Erfahrungen?

Patrick: Es empfiehlt sich vorher unter Windows Programme zu nutzen, die für mehrere Betriebssysteme zur Verfügung stehen. Da sollte man dann schon auf Outlook oder den Internet Explorer verzichten, es gibt genügend freie Alternativen. Man muss sagen, dass der Wechsel heutzutage deutlich leichter als noch vor ein paar Jahren ist, weil man heute mit Bootcamp auch beide Systeme parallel betreiben kann. So kann man zur Not immer noch auf Windows zurückgreifen, für gewöhnlich findet man bei Problemen aber auch sehr schnelle Hilfe im Internet, besonders in Foren. Ich persönlich habe beide Betriebssysteme ungefähr zwei Wochen parallel genutzt, seitdem arbeite ich aber vorzugsweise mit Mac OS X. Softwaretechnisch ist noch wichtig, dass manche Windows-Angewohnheiten mit Mac OS X nicht funktionieren. Ein Unterschied sind z.B. die Symbole zum Maximieren und Minimieren von Fenstern, die sind auf genau der entgegengesetzten Fensterseite. Bei Windows kann man Fenster per Doppelklick maximieren, beim Mac ist das genau umgekehrt. Und: Der größte Unterschied sind die fehlenden Menüleisten, für die sich bei Mac OS X eine zentrale Leiste am oberen Bildschirmrand befindet. Wenn man bei Mac OS X ein Programm beendet, ist es vorwiegend nicht beendet, sondern in einer Art Standby-Modus. Teilweise werden bestimmte Teile der Software deaktiviert, um Leistung zu sparen, Musikhören kann man bei iTunes dann aber trotzdem noch. Richtig Beenden kann man Programme nur über das Menü an der oberen Bildschirmseite. Bei Programmieren ist noch zu erwähnen, das die Trittbrettbelegungen, z.B. geschweifte Klammern ({ } , Anm. d. R.), nicht auf der MacBook-Tastatur angezeigt werden.

Martin: Wie lange dauert in etwa die Eingewöhnungsphase?

Patrick: Also bei mir hat das etwa 2 Wochen gedauert, danach konnte ich eigentlich mit der gleichen Geschwindigkeit wie mit Microsoft Windows arbeiten.

Martin: Und was programmiert man als angehender Informatiker mit dem Mac?

Patrick: Da ich erst im zweiten Semester bin, liegt der jetzige Studienschwerpunkt eher auf theoretischen Grundlagen, mit Java haben wir allerdings schon gearbeitet. Der Vorteil beim Mac ist, dass man mit dem Kauf des Betriebssystems gleich die Entwicklungsumgebung Xcode mit dazu bekommt, womit auch die meisten Mac-Programme hergestellt werden. Das ist allerdings ein spezieller C++ Abkömmling, der außerhalb von Mac eigentlich keine große Bekanntheit erlangt hat.

Interviewpartner Patrick Schäfer (20) ist Student der Informatik an der TU Ilmenau im zweiten Fachsemester. Im morgigen zweiten Teil des Mac-Spezial steht das Betriebssystem Mac OS X 10.5 alias Leopard im Mittelpunkt der Betrachtung.

| | 21. Mai 2008 5365 x gelesen Schlagwörter: betriebssysteme, interview, leopard, mac, mac os x, umstieg von windows auf mac

Waren diese Informationen hilfreich?

  • Currently 4.20/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Rating: 4.2/5(5 votes cast)

Artikel als Lesezeichen speichern:

Mister Wong del.icio.us Yahoo MyWeb Google Technorati Furl YiGG Taggle Folkd BlinkList Linkarena

Folgende Artikel könnten ebenfalls ihr Interesse wecken:


Aktuelles: ONE A110 Mini Notebook bis 18. Mai für 199,- Euro

Wie bereits berichtet bietet die Brunen IT Distribution GmbH in ihrem Onlineshop unter One.de das stark abgespeckte Mini-Notebook „A110“ für 229,- Euro an, auch, um die Produktpalette durch das derzeit ausverkaufte Modell A120 zu vervollständigen. Bis zum 18. Mai können Schnäppchenjäger nun noch einmal 30,- Euro sparen.

...mehr darüber! veröffentlicht am 16. Mai 2008 in den Themengebieten Kommentare

Millionen, Milliarden, Google.

Die amerikanische Erfolgsstory aus Mountain View feiert ihren zehnten Geburtstag. Erstaunen und Erschrecken liegen dicht beisammen: Mutiert der sympathische Suchmaschinenprimus zur unverzichtbaren Informationskrake und der Planet zu „Google Earth“?

...mehr darüber! veröffentlicht am 8. September 2008 in den Themengebieten Kommentare

Musiktipp: „Ghosts I-IV“ – Studioalbum von Nine Inch Nails (Creative Commons)

Trent Reznor veröffentlicht sein neues Studioalbum Ghosts I-IV unter einer Creative-Commons-LizenzMit der neuen LP „Ghosts I-IV“ stellt Trent Reznor sein Musikprojekt „Nine Inch Nails“ auf Selbstvermarktung um, bei der das Internet und DRM-freie Technik – ähnlich wie beim Radiohead-Album „In Rainbows“ – eine zentrale Rolle spielen. Alle Songs werden unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht.

...mehr darüber! veröffentlicht am 6. März 2008 in den Themengebieten Kommentare

Leserkommentare

Artikel kommentieren