Spezial: Google startet eigenen Beta-Browser „Chrome“

Wenige Tage nach der Veröffentlichung der zweiten Beta-Version des Microsoft Internet Explorer 8 überrascht Google die Fachwelt mit der Eigenentwicklung „Chrome“.

Spezial: Google startet eigenen Beta-Browser „Chrome“


Google Chrome: Sehr flink, beste JavaScript-Performance von allen Browsern, schlicht, Webseiten als Anwendungsverknüpfungen vom Desktop aus nutzbar, gute Ausnutzung der Bildschirmfläche, Rechtschreibprüfung, aber keine RSS-Unterstützung, umständliche Lesezeichenverwaltung, nur für Windows XP/Vista

„Google läutet das Ende des Betriebssystems ein“ poltert „die Welt“, „Google will die Welt ver- Chrome –n“ meint der Spiegel und bei Heise-Online heißt es kämpferisch: „Google Chrome: Google greift Microsoft mit eigenem Browser an“. Ein Blog-Eintrag auf blogoscoped.com mit ein paar Bildchen und ein eigens angefertigter Comic genügten für ein weithin schallendes Medienecho in der deutschen Presselandschaft, ohne das Google auch nur einen Cent für Werbung oder Marketing berappen musste.

Spezial: Google startet eigenen Beta-Browser „Chrome“


Google Chrome lagert Tabs in voneinander unabhängige Prozesse aus

Wer jetzt das Ende des Microsoft’schen Quasi-Monopols auf Betriebssysteme beschwört, irrt – zumindest mittelfristig. Schizophrenerweise erscheint „Chrome“ ausgerechnet für Windows, Mac-Nutzer und Linux-Freunde bleiben zunächst außen vor. Mit der heute vorgestellten BETA-Version liefert Google zwar einige Neuerungen, aber weiß Gott kein Werkzeug, um die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Die deutschsprachige Version von Chrome kann seit Dienstagabend kostenfrei unter google.com/chrome heruntergeladen werden und läuft unter Windows XP und Vista. Die nur knapp 500 KB große Setup-Datei nutzt ohne Netzzugang wenig, da während der Installationsprozedur Daten aus dem Internet nachgeladen werden müssen.

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Google Chrome bietet viel Platz und verzichtet auf eine Suchmaske

Der erste Eindruck fällt ernüchternd aus: Chrome bietet oberflächlich betrachtet wenig Neues: Die aufgeräumte, schlichte GUI mit nach oben stehenden TAB-Leisten erinnert stark an das Bedienkonzept von Opera, bietet aber vor allem auf kleinen Bildschirmen viel vertikalen Freiraum: Eine Menüleiste fehlt vollständig, zum Abrufen einzelner Funktionen können zwei Symbole am rechten Fensterrand zu Rate gezogen werden. Unter der Haube hat sich allerdings einiges getan: So werden einzelne TABs auch als einzelne Prozesse geführt, was bei Problemen nicht gleich zum Absturz des gesamten Browsers führt. Zur Tab-Verwaltung bietet Chrome einen eigenen Manager an. Im „Inkognito-Modus“ werden Daten nicht im Browser- und Suchverlauf angezeigt und Cookies nicht gespeichert, ferner verfügt Chrome über einen Pishing- und Malware-Filter. Leere Tabs (Strg + T) präsentieren eine Vorschau häufig genutzter Internetseiten, eine Übersicht kürzlich geschlossener Tabs sowie eine Suchmaske zum Durchforsten des Verlaufs, dessen Suchergebnisse nett sortiert und mit Vorschau-Bildern ausgeliefert werden. Die herkömmliche Textsuche (Strg + F) hebt passende Ergebnisse – ähnlich wie bei Apples Safari – farblich hervor. Google verzichtet im Gegensatz zu anderen Browsern auf eine eigene Suchleiste, stattdessen dient die Adresseleiste für Suchvorschläge von Google oder dem Browserverlauf.

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Der Inkognito-Modus soll persönliche Daten schützen

Google Chrome kann vor allem mit seiner Geschwindigkeit punkten: So wurde die JavaScript-Engine V8 von einem dänischen Team komplett neu entwickelt, was sich in den Ergebnissen des Java-Script-Benchmarks auf dromaeo.com widerspiegelt: Für den Performance-Test (Gesamtwertung) benötigt Chrome 619 ms, währenddessen man sich mit Mozilla Firefox 2674 ms und bei Opera 9.5 3155 ms gedulden muss. Mit der zweiten Beta-Version des Internet Explorer 8 gelang dieser Benchmark nicht. Die Rendering-Engine auf Basis von Apples Webkit arbeitet ebenfalls sehr flott, den Acid2-Test besteht der Browser anstandslos.

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Der Acid2-Test ist für Google Chrome keine Hürde

Wer Webapplikationen ähnlich wie normale Desktop-Software nutzen möchte, kann mit Google Chrome so genannte „Anwendungsverknüpfungen“ erstellen. Mit den damit abgelegten Symbolen (wahlweise: Desktop, Startmenü, Schnellstartleiste) geht der „Browser-Charakter“ tatsächlich kurzweilig verloren, Adressleiste und Menüfunktionen fehlen hier vollständig. Um Webdienste auch Offline zu nutzen, ist Google Gears bereits mit an Bord, praktisch genutzt konnte die Funktion im Test allerdings nicht werden.

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Anwendungsverknüpfungen lassen Online-Dienste zumindest optisch wie lokale Software wirken

Auf die Add-on-Vielfalt eines Mozilla Firefox müssen die Nutzer von Google Chrome vorerst freilich verzichten, ebenso schlägt die fehlende RSS-Unterstützung negativ zu Buche, hierfür muss man auf Online-Werkzeuge wie beispielsweise den hauseigenen Google Reader zurückgreifen. Das Verwalten von Lesezeichen ist ohne die Nutzung eines passenden Online-Dienstes wie del.icio.us oder mister-wong.de umständlich und wird von anderen Browsern weitaus besser gehandhabt.

Fazit:

Chrome ist ein schneller und gut sortierter Browser ohne viel Schnickschnack, der in Bezug auf die JavaScript-Performance neue Maßstäbe setzt, Tabs in eigene Prozesse auslagert und einfach zu bedienen ist. Mit den „Anwendungsverknüpfungen“ bietet er einen ersten Geschmack auf die Verschmelzung von herkömmlichen, lokalen Softwarelösungen mit Online-Anwendungen, nicht zuletzt damit könnte Google in Zukunft Microsofts Anwendungspakete wie etwa MS Office Paroli bieten. In wieweit sich die Auslagerung lokaler Software auf fremde (Google)Server im Netz lohnt, bleibt insbesondere aus der Perspektive des Datenschutzes allerdings zweifelhaft – ein Grund zum Schmunzeln ist denn auch die Deinstallation von „Chrome“, die mit der Nachricht „Haben wir was falsch gemacht?“ beginnt. Über kurz oder lang dürfte Chrome den Konkurrenz- und Innovationsdruck im Browser-Markt aber in jedem Falle weiter beleben.

Bilderstrecke: Googles Beta-Browser: Chrome

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| | 3. September 2008 9638 x gelesen Schlagwörter: browser, chrome, google, internet, open source

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