Satire: Scheiße, Wind und Sonne

Bei der Planung eines „zukünftigen nationalen Energiekonzepts“ zeichnet sich offenbar eine Lösung ab: In Regierungskreisen einigte man sich laut Insiderinformationen auf die Formel E= S+W+S (nicht zu verwechseln mit SemesterWochenStunden), oder: Zukünftige Energieträger sind Scheiße (Biomasse), Wind und Sonne.

Neu integriert wurde beispielsweise die Idee eines nationalen „Scheißreservoirs“, das mindestens 10 Prozent des jährlich durch die Bundesbürger und Bundestiere erzeugten Kots in einem riesigen Speicher direkt unter dem Bundestag vorhalten soll. Zudem sollen die Bundesbürger an der „Energieerzeugung“ finanziell beteiligt werden, pro Kilo „Scheiße“ sind steuerliche Begünstigungen von bis zu 5 Cent im Gespräch. Überschüssiges Material soll im Übrigen als Exportschlager mit dem Label „Scheiße made in Germany“ im Ausland vermarktet werden.

Auch bei der Energieerzeugung durch Windkraftanlagen wurde radikal umstrukturiert, insbesondere die „mobile Komponente“ findet dabei in den Anlagen der neusten Generation eine gewichtige Rolle wieder, ferner soll die Akzeptanz durch freundliche und farbenfrohe Gestaltung verstärkt werden:

Satire Erneuerbare Energien
Farbenfroh und Mobil: Die neue Generation leistungsstarker Windkraftanlagen

Bei Photovoltaik-Anlagen wurden ebenfalls Änderungen durchgesetzt, so soll der Wirkungsgrad von heute maximal 18 auf knapp 30 Prozent gesteigert werden – möglich wird dies durch die Platzierung künstlicher Lichtquellen über den Siliziumplatten, die mit Fahrraddynamos der entsprechenden Hausbesitzer angetrieben werden sollen – gleichzeitig ein willkommenes Aktionspaket, um der Verfettung der Bevölkerung Einhalt zu Gebieten.

Satire Erneuerbare Energien
Megawattgenerator: Redundante Stromversorgung für Photovoltaik-Zellen

Die Opfer des neuen Konzepts stehen leider auch schon fest: Es sind die sichersten und modernsten Atommeiler Europas. Vor einigen Jahrtausenden war die Bundesrepublik auf diesem Gebiet führend, jetzt sollen diese angeblich gefährlichen „Monster“ stillgelegt und mit Photovoltaik bzw. Windkraftanlagen bestückt werden, um wenigstens einen kleinen Teil der durch die Abschaltung verloren gegangenen Energie (der Anteil bewegt sich dabei etwa um 0,03 Prozent) zu ersetzen.

Satire Erneuerbare Energien
Umgerüstet: Nach dem neuen Energiekonzept sehen Atommeiler zukünftig so aus.

Trotz aller Anstrengungen ist das neue Energiekonzept ohne Einsparung und Kompromisse utopisch. So ist in einem knapp 500 Seiten starken „Energieführer“ penibel und mit buchstäblich „deutscher Gründlichkeit“ festgelegt worden, welche Energieverbrauchenden Geräte zu welcher Uhrzeit und Zeitdauer von der Bevölkerung benutzt werden dürfen. Kaffeemaschinen dürfen demnach nur zwischen 7 und 8 Uhr maximal 5 Minuten betrieben werden, die heimische „Glotze“ von 13- 17 Uhr – hier trägt der Gesetzgeber anscheinend dem breiten Bedürfnis nach Talkshows und Gerichtssendungen Rechnung. Ab 24 Uhr treten die neu eingeführten „Energiesperrstunden“ in Kraft, bis morgens um 6 brennt dann außer Kerzen gar nichts mehr. Alles in allem zeigt die Bundesregierung mit diesem „Überraschungscoup“ erneut ihre Fähigkeit zu durchschlagenden und weltweit beachteten Reformen auf.

| | 28. März 2006 8466 x gelesen Schlagwörter: erneuerbare energien, satire

Waren diese Informationen hilfreich?

  • Currently 3.83/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Rating: 3.8/5(6 votes cast)

Artikel als Lesezeichen speichern:

Mister Wong del.icio.us Yahoo MyWeb Google Technorati Furl YiGG Taggle Folkd BlinkList Linkarena

Folgende Artikel könnten ebenfalls ihr Interesse wecken:


V2 zum Selber Basteln

V2 bastelnSie war der Vorläufer aller modernen Weltraumraketen und wurde gleichzeitig von den Nazis als grausame „Vergeltungswaffe“ im 2. Weltkrieg eingesetzt – die Rede ist vom Aggregat 4 (A4), das unter dem Namen V2 in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Der 14 Meter hohe und über 12 Tonnen schwere Flugkörper wurde unter der Federführung von Wernher von Braun an der Heeresversuchsanstalt in Pennemünde entwickelt und schließlich bis 1943 zur Einsatzreife gebracht. Vor der Serienproduktion eines derartigen Objekts, bei der tausende Zwangsarbeiter noch bis zum Kriegsende 1945 unter unmenschlichen Bedingungen in den unterirdischen Fabrikationsanlagen der Nazis ihr Leben verloren, waren jedoch zunächst zahlreiche technologische Probleme zu lösen: So übernahm die aktive Steuerung der Rakete ein neu entwickeltes Kreiselmodul, die Kühlung der 2700 Grad heißen Schubdüse wurde durch verdampfenden Alkohol an der Düsenwand (so genannte Filmkühlung) gewährleistet.

...mehr darüber! veröffentlicht am 14. März 2006 in den Themengebieten Kommentare [1]

Millionen, Milliarden, Google.

Die amerikanische Erfolgsstory aus Mountain View feiert ihren zehnten Geburtstag. Erstaunen und Erschrecken liegen dicht beisammen: Mutiert der sympathische Suchmaschinenprimus zur unverzichtbaren Informationskrake und der Planet zu „Google Earth“?

...mehr darüber! veröffentlicht am 8. September 2008 in den Themengebieten Kommentare

Steve Jobs schockt: Intel ab 2006 "Inside"

Das der Chef von Apple des Öfteren ein egozentrisches Wesen an den Tag legt, ist zwar schon lange kein großes Geheimnis mehr, aber mit seiner fulminanten Ankündigung zur WWDC (Worldwide Developers Conference) in San Francisco schießt er diesmal den Vogel ab: Darin räumt er überraschend ein, dem Partner IBM, bisher zuständig für die Power-CPUs in Apple’s Computern, den Laufpass zu geben. Stattdessen heißt es ab Mitte 2006: “Intel inside”.

...mehr darüber! veröffentlicht am 7. Juni 2005 in den Themengebieten Kommentare

Leserkommentare

Artikel kommentieren