Praxis: Alte PCs mit neuer Hardware aufrüsten (Teil 1)

Selten war das Angebot an leistungsfähigen PC-Komponenten so breit aufgestellt wie heute: Vom sparsamen Einzelkern bis hin zu Intel’s Quad-Boliden, vom leisen Mittelklasse-Netzteil über 1000-Watt-Kleinkraftwerke zu Hauptplatinen mit oder ohne Grafikchipsatz – der Kunde hat die Qual der Wahl. Der nachfolgende Artikel möchte Licht ins Dunkel des Hardware-Dschungel bringen und stellt eine kostengünstige, energiesparende und leise Beispielkonfiguration für rund 250,- Euro vor.

PC-Aufrüstprojekt (Teil 1): Alte PC-Technik durch leistungsstärkere & energiesparende Komponenten ersetzen

Bestandsaufnahme

Ältere Bestandteile des heimischen PC müssen nicht zwangsläufig komplett ausgetauscht werden: Prozessoren wie Intel’s betagter und stromhungriger Pentium IV oder AMD’s Athlon XP (beide seit 2000 auf dem Markt) reichen für Office-Anwendungen, Internet sowie einfache Bildbearbeitungsprogramme aus. Oft wird bei diesen Systemen der Leistungs-Engpass durch unzureichend vorhandenen Arbeitsspeicher verursacht: Schon 256 Mbyte sind für Windows XP recht knapp bemessen, erst recht, wenn sich die Onboard-Grafik ihren Teil abzweigt – 512 Mbyte sollten es mindestens sein, für Microsoft’s aktuelles Betriebssystem Vista sind sogar 1 Gbyte ratsam. Wichtig dabei ist vor allem, die richtigen Module zu kaufen und einen Blick auf die Kompatibilitätslisten der Hauptplatinen-Hersteller zu werfen. Aufschrauben muss man den PC in jedem Fall, denn bei vielen älteren Komplettsystemen von Mediamarkt & CO sind bereits alle Speicherbänke belegt. Alternativ dazu geben Softwarelösungen wie CPU-Z Auskunft über die Belegung der Speicherbänke. Ältere Systeme verwenden langsame SD-RAM (i.d.R. PC133) oder DDR-RAM-Riegel (AMD: Sockel A, Sockel 754, Sockel 939, Intel: Sockel 478, Sockel 775). SD-RAM (PC133) ist dabei deutlich teurer als aktueller DDR2-RAM (AMD: Sockel AM2, Intel: Sockel 775): Rund 40,- Euro werden für ein 512 Mbyte-Modul fällig, ein DDR2-Speicherriegel gleicher Größe kostet gerade einmal die Hälfte.

Auch mit dem Wechsel zu bescheidenerer Software kann eventuellen Performance-Problemen begegnet werden: Für PDF-Dokumente braucht es nicht zwangsläufig die aktuellste Version des Adobe Reader, Alternativen wie der schnelle Foxit-Reader kommen mit weniger Arbeitsspeicher zu Rande. Als performanter und leichtgewichtiger Browser eignet sich die aus Norwegen stammende Softwarelösung Opera, die ebenfalls (im Vergleich zum Microsoft Internet Explorer oder Mozilla Firefox) mit wenig RAM auskommt.

Für Spielernaturen ist es darüber hinaus sinnvoll, die alte Grafikkarte durch eine neue auszutauschen. Die meisten Sockel A bzw. Sockel 754-Hauptplatinen besitzen im günstigsten Fall einen 8-fach AGP-Steckplatz. Schnelle Grafikkarten der Mittel- bis Oberklasse sind etwa ATI’s Radeon X1950 Pro oder NVIDIA’s GeForce 7800 GS (beide ab ca. 150,- Euro), für die man aber auch einen schnellen CPU (mindestens 2 GHz) braucht. AGP-Einsteigerkarten (mit 256 Mbyte DDR2 und 128-Bit Speicheranbindung) für Gelegenheitsspieler sind schon ab 70,- Euro zu haben, besitzen weniger Leistung, werden aber auch durch einen älteren Prozessor weniger stark ausgebremst.

Einen extremen Geschwindigkeitszuwachs darf man dem Update einzelner Komponenten wie Arbeitsspeicher, Grafikkarte oder dem Einbau einer zusätzlichen Festplatte nicht zutrauen – dafür erspart man sich allerdings die Neuinstallation des Betriebssystems, der bei einem Mainboardwechsel fällig wird. Da die meisten Komplettsysteme von Media Markt, Saturn & CO nur OEM-Versionen von Windows besitzen, wird dabei unter Umständen der Kauf einer neuen Einzellizenz nötig, für die rund 120,- Euro (Windows XP Professional oder Windows Vista Home Premium) fällig werden.

PC-Aufrüstprojekt: Vorüberlegungen und Prozessor

PC-Aufrüstprojekt (Teil 1): Beim Prozessor fiel die Wahl auf AMD's Neuling BE-2350: Der mit 2x2,1 Ghz getaktete Dual-Core besitzt eine DTp von nur 45 Watt und reicht für gängige PC-Applikationen aus

Wer aktuelle Computer-Technik nutzen, sich aber keinen neuen Komplett-PC kaufen möchte, kann mit dem Austausch der Hauptplatine (inkl. Prozessor, RAM, optional: Netzteil und Grafikkarte) nicht nur das alte Gehäuse und die bereits vorhandenen Festplatten weiternutzen, sondern auch eine Menge Geld sparen. Kein teures High-End-System soll hier vorgestellt werden – nicht zuletzt im Hinblick auf den extremen Preisverfall im IT-Hardwarebereich – sondern ein solides Arbeitspferd, das gängigen Standard-Applikationen (DTP, Bildbearbeitung, Videoschnitt, Office & Internet, Multimedia & Audio) genügt und über einen digitalen Monitorausgang (DVI) verfügt. Außerdem sollte der Grafikchip Vista’s neue „Areo-Glass“-Oberfläche unterstützen. Besonderes Augenmerk wurde auch auf die Energieeffizienz (Prozessor, Netzteil, Mainboard) und die Geräuschentwicklung gelegt – was nutzt schon ein nervendes Rechenmonster unter’m Schreibtisch? Auch der „grüne“ Aspekt wurde berücksichtigt: Alle neuen Komponenten erfüllen die RoHS-Richtlinie (Restriction of certain Hazardous Substances) der EU. Beim Prozessor fiel die Wahl zwischen Branchenprimus Intel und AMD, eine Lösung auf Basis des VIA C7 wurde mangels Leistung verworfen. Intel’s Core-2-Duo Prozessoren sind vergleichbaren AMD-Athleten zwar geschwindigkeitstechnisch überlegen und liegen mit 65 Watt DTP in etwa auf dem Niveau eines Athlon 64 X2 EE, die preiswerteste Variante (Core 2 Duo E4300, 2×1,8 Ghz, 2 MB shared Cache, boxed) ist mit rund 100,- Euro aber immer noch 20 Prozent teurer als AMD’s neuer Stromsparsprössling Athlon BE-2350 (2×2,1 Ghz), der eine DTP von nur 45 Watt und 2×512 Kbyte Cache besitzt und mit rund 80,- Euro zu Buche schlägt. Im Gegensatz zu seinen EE-Verwandten wird der BE-2350 in moderner 65 Nm-Bauweise gefertigt und ist im Übrigen ein „Made in Germany“-Produkt aus dem „Saxony Valley“. Stromspar-Prozessoren von Intel gibt es auch als Mobil-Variante, mit Einstiegspreisen von rund 160,- Euro (Core 2 Duo Mobile T5300) erkauft man sich die nochmals niedrigere DTP von 34 Watt allerdings sehr teuer, zumal man bei den wenigen verfügbaren Mainboards mindestens 100,- Euro hinlegen muss.

Sind Preis & Energieverbrauch weniger relevant, kann man auch durchaus zum Vierkerner greifen, Intels preisgünstigste Variante für den Sockel 775, der Intel Core 2 Quad Q6600 mit 4×2,4 Ghz, üppigen 2×4Mbyte shared Cache und einer DTP von noch moderaten 105 Watt kostet mit 235,- Euro aber fast genau soviel wie das hier vorgestellte Aufrüst-Set bestehend aus Prozessor, Hauptplatine, Speicher und Netzteil.

PC-Aufrüstprojekt: Hauptplatine und Arbeitsspeicher

PC-Aufrüstprojekt (Teil 1): Das Asus M2NPV-VM bietet DVI & HDMI, HD-Sound, 4x SATA, 2x Firewire, 2x PATA und ist mit dem schnellen NForce 430-Chipsatz in Kombination mit NVIDIA's GeForce 6150 fit für gängige Applikationen - Spiele ausgenommen

Bei der Hauptplatine für AMD’s BE-2350 fiel die Wahl auf das Asus M2NPV-VM (Sockel AM2, DDR2, ab 70,- Euro) mit integriertem Grafikkern, der einen digitalen DVI- sowie einen analogen VGA-Ausgang bietet – bestenfalls lassen sich damit zwei Bildschirme ansprechen. Das Chipsatz-Gespann, bestehend aus NVIDIA GeForce 6150 und nForce 430, ist zwar nicht mehr ganz aktuell und reicht höchstens für ältere Spiele bei niedrigen Auflösungen (Quake 3, UT 2004) aus, ist Dank DirectX-9-Kompatibilität (inklusive Pixel Shader 3.0) aber auf Vista’s neue Oberfläche Aero vorbereitet. Über die zwei vorhandenen PATA-Anschlüsse lassen sich insgesamt vier IDE-Laufwerke anschließen – einer der Hauptgründe für die Wahl des Asus M2NPV-VM, da neuere Mainboard-Chipsätze wie AMD’s 690G/V nur noch einen PATA-Kanal zur Verfügung stellen, im Aufrüstsystem aber insgesamt drei IDE-Festplatten sowie ein DVD-Brenner werkelten. Die Hauptplatine verfügt ferner über Gigabit-LAN, vier SATA-Anschlüsse (mit optionaler RAID-Unterstützung), 2x Firewire und auch einen HDMI-Steckadapter (bis 1080i) liefert Asus mit – leider ohne HDCP-Unterstützung für die kommende Generation an kopiergeschütztem Hollywood-HD-Videomaterial. Um den PC am heimischen Stuben-Flachbildschirm zu betreiben, reicht es aber allemal. Insgesamt vier Steckplätze für DDR2-Arbeitsspeicher ermöglichen einen großzügigen Speicherausbau, fürs Erste muss sich die Aufrüstkonfiguration jedoch mit 2×512Mbyte DDR2-800 (Dual Channel, Quimonda, rund 45,- Euro) begnügen. PC-Spieler können das Board auch mit einer PCI Express Grafikkarte betreiben, ein SLI-Modus ist allerdings (nur 1×16-Steckplatz) nicht möglich. Das Asus M2NPV-VM besitzt außerdem „HD-Onboard-Sound“ der qualitativ durchaus überzeugen kann, im Testsystem jedoch nicht benötigt wird, da zur Soundausgabe eine Creative Sound Blaster X-Fi Xtreme Music (PCI) dient.

PC-Aufrüstprojekt: Netzteil

PC-Aufrüstprojekt (Teil 1): Seasonic S12II - sehr effizientes 380-Watt-Netzteil, hoher Wirkungsgrad, extrem geräuscharmer 12-cm-Lüfter, dafür aber rund 50,- Euro teuer

Der Umstieg vom altbackenen Sockel-A-Mainboard auf AM2 zwang auch dazu, das angegraute 250-Watt-ATX-Netzteil durch ein moderneres, ATX12V-kompatibles Netzteil zu ersetzen. Vor allem einen möglichst hohen Wirkungsgrad („80 Plus“) und einen leisen Lüfter sollte es Bieten. Die Wahl fiel auf Seasonic’s S12II (380 Watt, rund 50,- Euro), das ebenfalls die RoHS-Richtlinien erfüllt, in fast allen Laststufen einen Wirkungsgrad von über 80 Prozent aufweist und mit einem vibrationsgedämmten, temperaturgeregelten und sehr leisen 12-Zentimeter-Lüfter ausgestattet ist. Alle Stromstränge sind mit einer Bienenwabenartigen Struktur bedeckt, die Kabelwirrwarr verhindern und eine bessere Luftzirkulation durch das Gehäuse ermöglichen soll. Anschlüsse bietet das S12II zur Genüge, darunter 4x SATA, 6xPATA, 2x FDD, 1xPCI-E sowie den obligatorischen, vierpoligen ATX12V-Anschluss. Seasonic gibt drei Jahre Gewährleistung.

Zwischenfazit:

Für Zusammengenommen rund 250,- Euro bieten die Komponenten (AMD BE-2350, Asus M2NPV-VM, 2×512 Mbyte DDR2-800 Quimonda, Seasonic S12II-380 Watt) einen guten Kompromiss zwischen Leistung, Energieverbrauch und Wärmeentwicklung. Für (fast) alle gängigen Anwendungen bieten Sie genügend Performance, einzig und allein Spielernaturen brauchen eine zusätzliche Grafikkarte, immerhin bietet NVIDIA’s Grafikchipsatz GeForce 6150 einen digitalen DVI-Ausgang sowie HDMI – für DTP, Office, Bildbearbeitung, Videoschnitt oder Internet muss man also nicht zwangsläufig nachrüsten. Ausblick Teil 2: Einbau & Text der Hardwarebausteine.

| | 26. Juli 2007 10164 x gelesen Schlagwörter: 80+ netzteile, am2-board mit integriertem dvi-ausgang, amd be-2350, pc aufrüsten, sparsame pc-hardware

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