Musikalische Geschmacksverstärkung

Der Trend zur Digitalisierung macht auch vor der heimischen Musiksammlung keinen Halt. Was vor 30 Jahren die heißgeliebte LP auf Vinyl, sind heute mehr oder weniger Nullen und Einsen auf CD oder Festplatte. Das „schwarze Gold“ gehört damit zwar längst nicht zum alten Eisen, dennoch Ermöglichen moderne Datenkompressionsverfahren wie MP3 das Platzsparende Speichern auf dem PC sowie die Möglichkeit, die musikalischen Vorlieben auf mobile Abspielgeräte zu überführen. Hat man sich einmal die Mühe gemacht, die eigene CD-Sammlung und obendrein die wohlgehüteten Vinyl-Raritäten der Eltern mit Programmen wie EAC [1] in ein digitales Format zu überführen, entsteht schnell eine Sammlung mit hunderten Titeln und mehr. Wie man diese audiophile Schatzkiste am effektivsten verwaltet und filtert, versucht der nachfolgende Artikel zu skizzieren.

Digitales Wirrwarr der Formate

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen verlustbehafteten Musikformaten wie MP3 oder OGG und verlustfreien Datentypen wie FLAC oder APE. Microsoft und Apple bieten mit WMA und AAC ebenfalls Formate in beiden Varianten an. Insbesondere durch den rasanten Preisverfall für interne (Festplatte) und externe Datenträger (Flash, MP3-Player) sprechen heutzutage nur noch wenige Argumente gegen den Aufbau einer Musikbibliothek aus verlustfreiem Material, vor allem in Hinblick auf qualitative Aspekte einer Langzeitarchivierung. Betrachtet man hingegen die Kompatibilität für mobile Abspielgeräte, haben die „Lossis“ wie MP3 und WMA dennoch die Nase weit vor ihren verlustfreien Pendants.

Ordner und Flexibles Tagging

Grundsätzlich ist es bei der Erstellung eines privaten Musikarchivs am sinnvollsten, wenn man sich von vornherein auf eine entsprechende Kategorisierung in Form diverser Ordnerstrukturen einigt (Abb.1). Natürlich ist dieses Prinzip beliebig variierbar, so könnte man seine Musik auch nach Genre oder gleich nach Alphabet sortieren. Weitere Möglichkeiten werden unter anderem im AudioHQ-Forum aufgezeigt [2].





Nichtsdestotrotz gehören vollständige Metatextinformationen zu einem guten Musikarchiv dazu. Leider sind diese, die im Fachjargon auch ID3-Tags genannt und direkt in MP3-Dateien gespeichert werden, auf wenige Informationen wie Titel, Künstler, Album, Erscheinungsjahr, Tracknummer, Genre und ein Kommentarfeld begrenzt. Dennoch beherrschen einige Softwarelösungen sogenanntes „flexibles Tagging“, bei dem der Nutzer beliebig viele und individualisierbare Datenfelder hinzufügen kann, beispielsweise dann, wenn man einem Lied mehrere Genres zuordnen möchte. Ein echtes Mulitalent unter ihnen ist das von Peter Pawlowski entwickelte Programm Foobar2000 [3], das neben einem integrierten Tag-Editor, mehreren Playlisten und umfangreichen Konvertierungsmöglichkeiten auch eine integrierte Datenbank mitliefert. Mit dem Plugin „Columns UI“ [4] kann man zudem die Software optisch den eigenen Bedürfnissen anpassen. Auch eine Rating-Funktion sowie ein Abspielzähler lassen sich mit etwas Geduld und Fleißarbeit einbinden [5].


foobar2000


Filter statt Volltextsuche

Vor allem bei umfangreichen Archiven ist man oft widerwillig dem „Shuffle“-Modus ausgesetzt und klickt mehr oder weniger unbedarft durch die Weiten der heimischen Musiksammlung. Dabei lassen sich mit der passenden Software individuelle Playlisten mit – im weitesten Sinne – „ähnlich klingender Musik“ schnell zusammenstellen. Grundsätzlich unterscheidet man zwei verschiedene Ansätze, Musik in verschiedene Klangtöpfe zu unterteilen. Beim Collaborative Filtering werden Entscheidungen anderer Individuen herangezogen. Der amerikanische Onlineriese Amazon nutzt diesen „sozialen Filter“ beispielsweise in Form von Plattenempfehlungen: „Wer A gekauft hat, hat auch B gekauft“. Im Gegensatz dazu wurzeln die Informationen beim Content Based Filtering den in den ID3-Tags enthalten Metainformationen sowie den physikalischen Klangeigenschaften eines Musikstückes. Genau hier setzt die auf Java basierende Lösung MusicMiner [6] der Universität Marburg an. Sie durchforstet das lokale Musikarchiv und analysiert jedes Musikstück nach etwa 20 verschiedenen Kriterien wie etwa Energiespektrum oder Klangdichte. Anschließend werden die Musikstücke auf einer „virtuellen Landkarte“ abgebildet, wobei – zumindest in der Theorie – ähnlich klingende Titel in „Ebenen“ liegen, die von „Bergen“ umrandet werden. Aus dieser Karte lassen sich nun individuelle Playlisten generieren. Der aufwändige Analyseprozess bringt dabei selbst die ausgewachsene Rechenpower aktueller Hardware aus dem Trab, immerhin benötigt MusicMiner auch auf aktuellen Gigahertzboliden je nach Lied mehrere Minuten, obwohl nur die ersten 10 Sekunden untersucht werden. Die vergleichsweise besten Ergebnisse erzielt bisher das nach der gleichnamigen griechischen Göttin benannte Onlineprojekt Pandora.com [7]. Ausgebildete Spezialisten kategorisieren dort Musik nach über 400 verschiedenen Gesichtspunkten wie Instrumentierung, Stimmlage, Harmonie oder Rhythmus. Der Nutzer kann dabei verschiedene, als „Stations“ titulierte, virtuelle Radiosender anlegen, die ausgehend von einer Band, Album oder Lied ein entsprechendes musikalisches Programm generieren. Auch Sony und Apple sind mit eigenen Musikvorschlagsystemen ihrer Onlineplattformen am Markt vertreten.


Pandora


Wer seine Hörgewohnheiten einem breiten Publikum außerhalb der eigenen Vier WG-Wände präsentieren möchte, ist unter anderem mit dem Onlinedienst LAST.FM [8] gut beraten. Nach einer kostenfreien Registrierung und der Installation des entsprechenden Audioscrobbler-Plugins [9] für Softwareplayer wie Winamp oder Foobar2000 kann man seine abgespielten Titel täglich live im Internet verfolgen. Linux-Nutzer haben es in diesem Falle leicht, denn der beliebte Amarok-Player [10] hat die Abspielfunktionen von Audioscrobbler bereits integriert. Auf LAST.FM lassen sich zudem alle erhobenen Daten in Form von dynamischen XML-Dateien auf der eigenen Homepage einbinden.

Fazit

Egal ob lokales Musikarchiv oder audiophiler Webservice – schon jetzt zeigt die Entwicklung, wie sinnvoll sich durch das Internet der eigene musikalische Horizont Erweitern und im lokalen Datengewusel sinnvoll Anwenden lässt. Dass eine „soziale Interessengemeinschaft“ im Internet durchaus zu großartigen Leistungen fähig ist, zeigt zu guter Letzt auch die kostenfreie Metatag-Datenbank freedb.org [11], die einen Vergleich mit kommerziellen Lösungen durchaus nicht scheuen braucht.

[1] André Wiethoff’s ExactAudioCopying: http://www.exactaudiocopy.de/

[2] http://www.audiohq.de/index.php?showtopic=208

[3] http://www.foobar2000.org

[4] Columns UI Plugin für Foobar2000: http://music.morbo.org/components.php

[5] http://www.audiohq.de/index.php?showtopic=1573

[6] MusicMiner: http://musicminer.sourceforge.net

[7] Music Genome Project: http://pandora.com

[8] LAST.FM: http://www.last.fm/

[9] Audiscrobbler-Plugins: http://www.last.fm/downloads.php

[10] http://amarok.kde.org/

[11] http://freedb.org/


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Leserkommentare

  1. Danke – sehr interessant und gute Zusammenfassung – Gruss rorahoch v corpXpress

    am 1 April 2007, 12:31.

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