Marktübersicht: Stromsparende Prozessoren für Desktop-PCs

Beim Aufkommen der ersten „Personal Computer“ Anfang der achtziger Jahre spielte der Energiehunger eines Prozessors praktisch keine Rolle. Mit den immer leistungsfähigeren Chips im „Gigahertz-Zeitalter“ und rapide steigenden Stromkosten kann der Kauf von stromsparenden Komponenten jedoch durchaus Sinn ergeben – und neben dem Geldbeutel auch Umwelt und Gehör schonen.

Stromsparende_Desktop_Prozessoren_im_Vergleich: AMD Geode, AMD Turion 64, AMD Athlon 64(X2), Intel Core 2 Duo Mobile, Intel Celeron, Via C7

Sommerkollektion 2007

Für über zwei Jahrzehnte prägten fast ausschließlich pure Taktwerte eines Prozessors das bunte Werbetreiben rund um PC-Technik, doch die Zeiten des „Gigahertz-Wahns“ scheinen gezählt: Schon für einen normalen Büro-PC, der lediglich für Office-Aufgaben und Recherchieren im Internet gedacht ist, braucht es keine NetBurst-Architektur mit 3,7 GHz, die unter Volllast satte 250 Watt und mehr aus der Steckdose saugt.
Das verspätete Einlenken des Chip-Giganten Intel auf die sparsamere Core (2) Duo-Technologie aus Israel brachte dem Konkurrenten AMD bis Ende 2006 nicht nur steigende Marktanteile mit den – verhältnismäßig sparsamen – Athlon 64 (X2) im x86-Prozessorsegment, sondern auch gute Kritiken in der Fachpresse ein. Alle hier vorgestellten CPUs benötigen im Übrigen zwischen 20 und 80 Prozent weniger Energie als herkömmliche Desktop-Prozessoren.

Wer heutzutage auf der Suche nach sparsamen Chips ist, muss weder auf ordentliche Leistung verzichten noch in einer eingeschränkten Produktpalette wühlen. Genügsame Prozessoren lassen sich außerdem leichter Kühlen (teilweise sogar passiv), können also mit wesentlich langsamer rotierenden Lüftern betrieben werden und heizen die Innereien eines PCs weniger auf, was wiederum der Lebensdauer von Komponenten wie Mainboard und Festplatte(n) zugute kommt – zumindest theoretisch.

Paarungsfreiheit

Ob der Kauf von energieknausriger Desktophardware – der Prozessor ist dabei nur eine von vielen „durstigen“ Komponenten – lohnt, hängt ganz vom persönlichen Verwendungszweck und letztlich auch vom Geldbeutel ab. Für einen reinen Office-PC, der seinen Dienst acht Stunden und sechs Tage pro Woche im Unternehmen verrichtet, braucht es nicht zwangsläufig Mehrkernsysteme geschweige denn Gigahertz-Rechenmonster. Eventuell reicht hier sogar betagte Gebraucht-Hardware in Form eines Pentium 3 (unter 100 Euro) oder eine stromsparende und günstige Kombination aus AMD Turion 64 ML/MT und Sockel 754-Mainboard (zusammen ab 150 Euro) aus. Langsamer, teurer, aber sehr kompakt und „stromenthaltsam“ sind Systeme mit dem Prozessor-Exoten VIA C7, der inkl. Mainboard ab rund 200 € erhältlich ist und unter anderem mit modernen SATA-Anschlüssen für Festplatten aufwartet.

Die nachfolgende Übersicht stellt leichtgewichtige Prozessoren, ihren (möglichen) Verwendungszweck und die gebotene Leistung vor.

Streitpunkt TDP

Die Thermal Design Power (TDP) gibt die Verlustleistung (in Watt) eines Prozessors an und ist ausschlaggebend für die Dimensionierung von Kühlkörper und Lüfter. Leider lassen sich die in den nachfolgenden Tabellen abgebildeten Werte nur bedingt vergleichen, da jeder Hersteller unterschiedliche Berechnungsverfahren anwendet und die TDP nicht den tatsächlichen Energieverbrauch eines CPUs angibt. Als „grober Richtwert“ des Energieverbrauchs kann die TDP dennoch akzeptiert werden.

AMD GEODE NX

Stromsparende_Desktop_Prozessoren_im_Vergleich_AMD_Geode

Extrem stromsparsam und für Office/Internet-Aufgaben gerade noch ausreichend ist
AMD’s Prozessor-Sprössling Geode NX, eine Weiterentwicklung auf Basis das Athlon XP (Codename: Thoroughbred B). Für alte – und sehr günstige – Sockel-A-Mainboards steht die NX-Variante mit bis zu 1750 MHz Takt zur Verfügung. Leistungsreserven für Windows Vista, geschweige denn zukünftige Betriebssysteme, bietet diese Lösung nicht, wohl aber ein gewaltiges Energieeinsparpotenzial für einfache PC-Anwendungen, beispielsweise für PCs, die ausschließlich zur Musikwiedergabe (z.B. mit hochwertigen Soundkarten) dienen. Neu zu kaufen gibt es die NX-Version des Geode leider nicht mehr, mit etwas Glück findet man jedoch einige Angebote beim Online-Auktionshaus eBay Fujitsu-Siemens verwendet den Geode unter anderem in der Thin-Client-Serie „Futro“.

AMD_Geode_NX_Leistungsvergleich_stromsparende_Desktop_CPUs_TDP_9watt-25watt

AMD Turion ML/MT

Stromsparende_Desktop_Prozessoren_im_Vergleich_AMD_Turion

Die für den knapp drei Jahre alten Sockel 754 erhältlichen Mobilprozessoren AMD Turion ML/MT bieten mit der 800 MHz schnellen HyperTransport-Anbindung und SSE3-Unterstützung ein deutlich größeres Leistungspotenzial als der AMD Geode NX. Für einfache Bildbearbeitungsanwendungen, Multimediawiedergabe und Spiele reicht der Einzelkern aus – Extremspielern, Videoschnipsler oder 3D-Animateuren fehlt hier allerdings schnell die erwünschte Performance. Mit Preisen ab 130,- Euro ist der Turion nicht unbedingt preisgünstig (im Vergleich zur Leistung eines AMD Athlon 64 EE), die dafür günstig erhältlichen Mainboards gleichen diesen Makel jedoch zumindest teilweise aus.

AMD_Turion_64_Leistungsvergleich_stromsparende_Desktop_CPUs_TDP_22watt-35watt

AMD Athlon (X2) 64 EE, EE SFF

Stromsparende_Desktop_Prozessoren_im_Vergleich_AMD_Athlon_64_X2_EE_SFF

Neben dem Geode und Turion ML/MT bietet AMD auch sparsame Varianten des
Desktop-Prozessors Athlon 64 / Athlon 64 X2 für gebräuchliche AM2-Mainboards an. Der Stromverbrauch unter Last ist allerdings deutlich höher als bei anderen hier vorgestellten Prozessoren, auch wenn AMD im Ruhe-Modus (Idle) mit einem Verbrauch von teilweise unter 10 Watt glänzen kann.

AMD_Athlon_64_X2_EE-SFF_Leistungsvergleich_stromsparende_Desktop_CPUs_TDP_35watt-62watt

VIA Epia (Auswahl)

Stromsparende_Desktop_Prozessoren_im_Vergleich_Via_Epia_Eden_C7_9watt_tdp

Im Nischensegment für besonders kompakte und stromsparende Prozessor + Mainboardkombinationen hat sich der Taiwanesische Hersteller Via Technologies eingenistet. Die aktuelle Chipserie C7 kann neu leider nur im Bundle mit entsprechenden VIA-Mainboards erworben werden. Die Leistung des Asiaten fällt ziemlich dürftig aus und liegt mit deutlichem Abstand am Ende des Testfelds – dafür ist der C7 sehr stromsparend – er verbraucht weniger als ein Drittel des Athlon 64 EE und immer noch weniger als die Hälfte der Turions. Mithalten kann hier allenfalls der AMD Geode, der in der „größten“ Ausführung mit einer TDP von 25 Watt doppelt so gefräßig ist und leistungsmäßig auf etwas höherem Niveau liegen dürfte.

Via_C7_Epia_EX_EG_Leistungsvergleich_stromsparende_Desktop_CPUs_TDP_9watt

Intel Core 2 Duo Mobile

Stromsparende_Desktop_Prozessoren_im_vergleich_intel_core_2_duo_mobile_34_watt_tdp

Bei der aktuellen Core2Duo-Technik des amerikanischen Branchenprimus Intel heißt es nicht kleckern, sondern klotzen: Bei moderatem Energieverbrauch bieten die aktuellen Mobilversionen für den Sockel 479Y ordentliche Leistung und Zukunftssicherheit für ambitioniertere Anwendungen wie Rendering oder Spiele. Das „mehr“ an Leistung lässt sich Intel fürstlich bezahlen, der preisgünstigste Vertreter T5200 ist ab 180,- Euro zu haben, ein passendes Mainboard schlägt mit mindestens 100,- Euro zu Buche. Interessant ist hier eine Kombination aus Mobilprozessor und ABIT iL-90MV Mainboard, das sich mit seinem HDMI-Ausgang geradezu als Multimedialösung für die heimische Fernsehlandschaft aufdrängt. Zwei freie PCI-Steckplätze erlauben außerdem das nachträgliche Aufrüsten mit hochwertiger Soundkartentechnik und TV-Kärtchen.

intel_CORE_2_DUO_Mobile_Leistungsvergleich_stromsparende_Desktop_CPUs_TDP_34_watt

Intel Celeron 400

Stromsparende_Desktop_Prozessoren_im_vergleich_intel_celeron_400_35_watt_tdp

Intel rundet sein Angebot stromsparender Prozessoren im unteren Preissegment mit den Einzelkernen der Celeron 400er Serie ab: Mit Kosten zwischen 40,- und 70,- Euro sind diese sehr günstig, bieten allerdings auch deutlich weniger Leistung als Intels mobile Mehrkerner – für einen Bürorechner reicht der Celeron dennoch allemal aus.

intel_celeron_400_Leistungsvergleich_stromsparende_Desktop_CPUs_TDP_35_watt

Fremdgegangen

Für einen stromsparenden Computer – klammert man einmal die ergonomischen Pluspunkte eines Desktop’s aus – braucht es nicht unbedingt einen wuchtigen Metallkäfig im Arbeitszimmer. Mobile Wegbegleiter wie Laptops haben ihre Desktop-Pendants inzwischen bei den Verkaufszahlen überholt, Stromsparfunktionen inklusive. Allerdings lässt sich die Klapprechner-Generation nur schlecht aufrüsten, nervt mit spiegelnden „Glare“-Displays und bietet leider in den wenigsten Fällen einen DVI-Ausgang zum verlustfreien Anschluss eines externen Monitors.

Der hier abgebildete Querschnitt an sparsamer Prozessor-Technik ist bei weitem nicht vollständig, für die mobilen Zweikerner Turion-X2 steht mit dem neuen Sockel S1 bis jetzt leider nur ein passendes Mini-ITX-Mainboard zur Verfügung, auch Intel’s Core Solo bzw. Core Duo lässt sich mit passenden Hauptplatinen in Desktop-PCs verbauen. Speziallösungen, etwas Embedded-Boards mit dem Stromsparveteran Pentium M, bleiben ebenfalls unberücksichtigt.

Fazit: Fast zwei Jahrzehnte stand es nicht zur Debatte, über den Stromverbrauch eines Desktop-CPUs herzuziehen – verkaufen ließen sich schließlich meist nur neue „Gigahertz-Rekorde“. Doch der Stimmungswandel, nicht zuletzt durch Intels Abkehr von der hochgezüchteten und gefräßigen NetBurst-Strategie, ist unübersehbar: Das Spektrum an stromsparender Prozessortechnik für Desktop-Computer ist inzwischen so unübersichtlich wie jenes der „normalen“ Siliziumchips. Für einfache Office- bzw. Internetaufgaben reichen alle hier präsentierten Lösungen aus, der Knackpunkt bleibt der individuelle Verwendungszweck. Als „Hifi-Ersatz-PC“, etwa zur Wiedergabe eines digitalen Musikarchivs im MP3-Format in kompakten Gehäusen bei minimalem Energieverbrauch und entsprechend leisen Lüftern ist VIA’s C7 durchaus geeignet, bietet allerdings keine Leistungsreserven für zukünftige Anwendungen. Ältere Sockel-A-PCs lassen sich mit dem AMD Stromsparwunder Geode NX „nachrüsten“ – sofern man die CPU’s in die Hand bekommt. Die EE (SFF)-Versionen des Athlon 64-X2 bieten ein gutes Leistungsfundament für ambitioniertere Anwendungen wie Spiele, Rendering oder Videoschnitt – auch wenn Sie nicht ganz an die Performance „normaler“ Desktop-CPUs heranreichen. Eine Leistungsklasse darunter stehen AMD Turion 64 ML/MT, Pentium M und die etwas schnelleren Einzelkerne Celeron und Core Solo – wer nicht gerade mit neusten Spielen oder HDTV-Videoschnitt kolportiert wird, kann durchaus mit der gebotenen Leistung leben.

Hinweiß: Alle abgebildeten Logos sind Marken der entsprechenden Firmen.

| | 4. Juni 2007 26038 x gelesen Schlagwörter: amd geode, athlon 64 ee, computer stromsparen, mobiler core2 duo, prozessor, sparsame prozessoren, stromsparende cpu, turion, via c7

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