Karikaturstreit

Der Streit um die Karikaturen, die von der dänischen Zeitung Jyllands Post veröffentlicht wurden, spitzt sich inzwischen auf recht abenteuerliche Weise zu. Insbesondere verleitet die aktuelle Debatte vorschnell zum Untermauern ideologischer Standpunkte. Auf beiden Seiten versteht sich. In Europa hätte man wahrscheinlich vor 100 Jahren auf die Verunglimpfung religiöser Inhalte nicht anders reagiert, als dies heute die Moslems, oder zumindest ein Teil davon, tun. Aber das Europa der Gegenwart ist nun einmal als freiheitlicher zu Erachten als das Europa der Jahrhundertwende. Hierzulande wurde niemand gezwungen, die Zeitung samt ihrer Abbildungen zu kaufen. Statt dessen werden im Nahen Osten Menschen, die eigentlich beim Aufbau des Irak oder des Palästinenserstaates zur Hand gehen wollten, verschleppt und möglicherweise gar getötet – natürlich im Namen des Propheten Mohammed. Satire hat sich in Europa über Jahrzehnte hinweg zu einer Alltagskultur entwickelt, die man nicht einfach, auch aus religiösen Gründen, zensieren darf. Ob es nun notwendig ist oder war, die Karikaturen auf Titelseiten namhafter Zeitungen abzudrucken, sei dahingestellt. Die Reaktionen in der muslimischen Welt beziehungsweise Teilen davon sind jedoch im Vergleich zu deren Reaktionen zum Verschleppen und Ermorden von Menschen durch Terroristen vollkommen überzogen und realitätsfremd.

Karikaturstreit

Quo Vadis?

| | 3. Februar 2006 3669 x gelesen

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