Google Mail Spezial

Seit über einem Jahr befindet sich die E-Mail Dienstleistung des Suchmaschinen-Primus, Google Mail, im so genannten Beta-Status. Die Besonderheit daran: Neue Nutzer können nur auf Einladung bereits bestehender Nutzer, von denen diese über Sieben Stück verfügen, akkreditiert werden. Diese Vorgehensweise hat für Google unter anderem den Vorteil, dass die Benutzerzahl nur langsam ansteigt und entsprechende Hardwareressourcen schrittweise hochgefahren werden können – möglicherweise aber auch, um den Dienst hintergründig im Gespräch zu halten.

Auch sonst verlief der Start neben der ausgedehnten Betaphase, insbesondere in Deutschland, alles andere als reibungslos: Zunächst handelte man sich juristischen Ärger mit der ursprünglichen Bezeichnung “GMAIL” ein, denn den Namen „G-Mail…und die Post geht richtig ab“ hatte sich Daniel Hirsch bereits im Jahre 2000 rechtlich schützen lassen. Nachdem man sich nicht auf eine Lösung einigen konnte, wandelten die Kalifornier die Bezeichnung ihres E-Mail Dienstes in Deutschland kurzerhand in „Google Mail“ um. Auch aus datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten wird der Service kritisch beäugt: Da Google den Service über kontextsensitive Werbung finanziert, werden alle Mails in einem automatisierten Verfahren ausgelesen, um die entsprechend relevante Werbung schalten zu können. Google verteidigt diese Vorgehensweise in sofern, das alle größeren Webmail-Dienstleister die Mails nach Spam und Viren auslesen würden. In der Hilfe heißt es unter anderem: „Außer in einigen wenigen vom Gesetz oder dem gesunden Menschenverstand vorgegebenen Ausnahmefällen gibt Google keinerlei E-Mail-Inhalte oder persönlichen Informationen an Dritte weiter oder veröffentlicht sie.“

Datenschutz und kontextsensitive Werbung hin oder her – eine Bereicherung zu bestehenden kostenfreien E-Mail Diensten stellt der Service allemal dar: So sticht besonders der großzügig dimensionierte Speicherplatz von satten 2,7 GB hervor, die Navigation der schlicht gehaltenen und übersichtlichen grafischen Benutzeroberfläche (GUI) ist im Vergleich zur Konkurrenz außerordentlich schnell – nicht zuletzt auch Dank dem Einsatz moderner Technologien wie CSS oder JavaScript, die allerdings von älteren Browsern kaum oder nur geringfügig unterstützt werden.

Auch lästige grellbunte POP-UP Werbebanner gehören mit dem neuen Dienst der Vergangenheit an. Ferner kann man sich, wie auch bei vielen anderen Freemail-Dienstleistern, über eine verschlüsselte SSL-Verbindung in seinem Konto einloggen. Wirklich neu ist das kontextbezogene Sortieren von Nachrichten: Liegt beispielsweise eine Antwort auf eine gesendete oder empfangene E-Mail vor, werden diese in chronologischer Abfolge angezeigt. Das von Microsoft Outlook bekannte Abspeichern in Unterordnern geht als so genannte „Label-Funktion“ in den Dienst ein und hilft beim Sortieren nach verschiedenen Themengebieten.

Unter einer bereits vorhandenen E-Mail Adresse eine Nachricht in Google Mail verschicken? Kein Problem, denn mit Google Mail hat man Zugriff auf verschiedene als „Konten“ bezeichnete E-Mail Adressen, die schnell und einfach eingebunden werden können (sofern man auch der Besitzer des entsprechenden Passworts ist). Diverse Spam-Filter stehen ebenfalls zur Verfügung.

Adressen und Kontakte können per CSV-Datei eingebunden werden – besonders praktisch in Verbindung mit Microsoft Outlook, wobei man erst eine entsprechende CSV-Datei exportieren und anschließend in Google Mail importieren kann – die lästige Abschreibarbeit verschiedener Kontaktdaten entfällt somit möglicherweise. Inzwischen unterstützt Google Mail auch die so genannte POP3-Funktion (Post Office Protocol), die das Downloaden der Nachrichten in gängige lokale E-Mail Anwendungen erlaubt.

Eine Zweckentfremdung der besonderen Art hat sich der Däne Bjarke Viksoe für den Google Mail Account mit seiner kostenfreien Software GMail Drive einfallen lassen: Damit kann man bequem vom heimischen Windows-PC aus auf ein entsprechendes Google Mail Konto zugreifen, das praktischerweise als Laufwerk im Explorer angezeigt wird. Nachdem problemlosen Einloggen, bei dem man zunächst auf das neue Laufwerk (GMAIL Drive) klickt und anschließend die Benutzerdaten für sein Mail-Konto angibt, kann man einfach und unkompliziert Daten per Drag ’N’ Drop auf das virtuelle Laufwerk ziehen.

Die Größe einzelner Dateien ist dabei allerdings auf 10 MB und eine Namenslänge von 40 Zeichen begrenzt, zudem lässt vor allem bei größeren Datenmengen die Geschwindigkeit deutlich zu Wünschen übrig. Die Daten werden als E-Mail im Posteingangsordner von Google Mail mit dem Betreff „GMailFS“ abgespeichert und können somit leicht in ein entsprechendes Label verschoben werden.

Fazit

Google Mail erfindet die elektronische Post zwar nicht neu, kann aber durch eine Vielzahl alternativer Ansätze, die übersichtliche Strukturierung, die schnelle Ladegeschwindigkeit und den großzügigen Speicherplatz überzeugen.

Quellen und Links:

C’t 06/2006: Zwischenlager: GMail Drive macht ein Postfach von Googles Maildienst zur Dateiablage, S. 105

http://www.golem.de/0404/31043.html

http://www.golem.de/0505/37964.html

http://mail.google.com/mail/help/intl/de/about.html

http://www.viksoe.dk/gmail/

http://mail.google.com

| | 20. März 2006 4608 x gelesen Schlagwörter: google, googlemail, mail

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