Glosse: Fünf Jahre „Eipod“ & Co.

Podcasts, Ipod, Itunes? Für mich alles böhmische Dörfer oder eingedeutschte Marketingfloskeln – je nachdem, wie man’s betrachten will. Früher war sowieso alles einfacher. Da konnte ich meine Lieblingsmusik noch auf dem Bandsalat von „Made in Germany“ BASF abspeichern. Ohne MP3-AAC-WMA-FLAC-OGG-VORBIS-Formatwirrwarr. Heute gibt’s keine Kassetten mehr, sondern nur noch „HDD’s“ oder Flash-Speicher aus asiatischen „Sonderwirtschaftszonen“. Trotzdem findet der Kram reißenden Absatz. Insbesondere in diesen kleinen „MP3-Playern“. Und eine Firma hat sich besonders viel vom großen Kuchen abgeschnitten. Sie wissen schon, diese Apfel-Jünger aus Übersee und ihr Ober-Guru, Steve Jobs. „Eipod“
hört sich für mich irgendwie nach Freilandhaltung an – wurde das Ding getauft und hat sich seitdem mehr als 67 Millionen mal „wörldwaid“ verkauft. Anscheinend also Güteklasse A.

Apple Eipod

Früher war sowieso alles übersichtlicher. Meine Magnetbänder boten gerade mal für 60 bis 90 Minuten Musik Platz. Das hat für nen Album dicke ausgereicht, manchmal haben sogar eineinhalb draufgepasst. Alles ohne DRM und so. Die Klangqualität war mehr oder weniger mies – dafür konnte man am Hintergrundrauschen abschätzen, welche Kassetten bevorzugt rezipiert wurden. Ne analoge „Rating-Funktion“ sozusagen. Aber alles kein Vergleich zur Gegenwart, denn dort herrschen bekanntlich nur „zählbare“ Fakten: Auf die neuen Teile von Apple gehen bis zu 20.000 Titel, oder greifbarer ausgedrückt: 200x „AC/DC in the 20th Century“. Außerdem gibt’s nen Farbbildschirm mit 307200 Pixeltierchen dazu. Denn Bilder kann ich mir auch auf den „IPOD’s“ angucken. 25.000 Stück sollen auf die höherpreisigen Modelle passen – dumm nur, das ich nicht so viele Nackedeis auf meiner PC-Festplatte habe. Tja, und zu guter letzt kann ich auch noch Videos anschauen. 100 Stunden. Aber da warte ich lieber noch, bis das Ding „Ha-dä-rädi“ ist. Oder?

Ich hab sowieso keine Lust, nen Händi, Noutbuck, Pi-di-ey, Eipod und Diggi-Käm mit mir rumzuschleppen. Also entweder ich lasse mir den Kram gleich einzeln unter die Haut implantieren oder warte auf nen Gemeinschaftsprodukt von Olympus, Nokia, Toshiba und Apple. Die eierlegende Wollmilchsau quasi – mit rauschendem 30-Megapixel-Sensor, 5000-fach Digitalzoom, 1 Terabyte Flashspeicher, Autluck-Abgleich, UMTS, Navi und so weiter und so fort. Dazu nen Jamba-Monatsabo, DSL-Grundgebühr + Flatrate, ISDN-Anschluss, 30 Euro Mindestumsatz und nen Musikabo von Napster. Aber mal im Ernst, wollen Sie wirklich wissen, was ich jetzt machen werde? Kein „Eipod“, keine Kassetten, kein MP3-Handy. Ich schmeiß nämlich jetzt meinen alten Rega Planar 3 an. Der hat 16 Jahre auf dem Buckel. Trotzdem alles noch „voll kompatibel“. RB300 Tonarm. Plattenteller aus Glas. Noch Fragen? Ach so, nen „Daunlod-Abo“ brauch ich auch nicht, neue und alte Tonkunst gibt’s zum Beispiel günstig bei „Iii-Bäy“. Dann dreh ich mein Klipsch-System auf und genieße die einprasselnden Schallwellen. Genauer gesagt sind’s ja nichts weiter als kleinste Druck- und Dichteschwankungen im Medium „Luft“. Irgendwie trivial. Auch nix „Dolbi-Surraund“. Räumlicher Stereo-Klang reicht mir vorerst aus. Und alles ohne „Eipod“…noch.

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Leserkommentare

  1. der besserwisser

    Kannst du kein deutsch? Oder wieso sind so triviale Wörter wie Ha-dä-rädi, Eipod oder auch Iii-Bäy bei dir absolut falsch geschrieben? Ich meine gibts denn unter der Jugend von heute nur noch Legastheniker. Statt sich die ganze Zeit die Birne vollnudeln zu lassen mit irgendwelchen Tönen, die man nicht von einem quietschen oder stöhnen unterscheiden kann, kann man doch einfach mal nen Buch lesen oder spazieren gehen. In was für einer Welt leben wir eigentlich?

    am 23 Oktober 2006, 20:25.

  2. Klar kann man nen Buch lesen, spazieren gehen, ANGELN u.s.w. Aber NIEMALS ohne meinen EIPOD :-) Der ist essenziell. Selbst beim ANGELN.

    am 23 Oktober 2006, 20:33.

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