Mit mathematischen Mitteln Lesbarkeit von Texten verbessern? Zweifelsohne eine verlockende Versuchung, in der praktischen Anwendung allerdings eher als Hinweis zu verstehen. Beim so genannten Flesch Reading Ease (FRE), der vom 1936 aus Wien nach Amerika ausgewanderten Rudolf Flesch entwickelt wurde, handelt es sich etwa um einen Lesbarkeitsindex, der anhand statistischer Mittel die Komplexität eines Textes ermittelt. Vorwegzunehmen ist, dass ein solcher Algorithmus keinerlei Aussagen über die inhaltliche Qualität eines solchen zu Tage bringt.
Die Formel des Index lautet:
FRE = 206.835 – (1.015 x ASL) – (0.846 x ASW),
wobei ASL für die durchschnittliche Satzlänge und ASW für die durchschnittliche Silbenanzahl pro Wort steht. FRE kann dabei einen Wert zwischen Null und 100 einnehmen, wobei die Komplexität eines Textes mit fallendem Wert zunimmt. So haben Comictexte durch ihre einfachen und kurzen Sätze in der Regel einen typischen Wert zwischen 100 und 90, eine Tageszeitung kommt auf Werte zwischen 60 und 40. Erwähnenswert ist, das der Flesch Reading Ease in seinem Dasein nur einer unter vielen derartigen Formeln ist, wie man beispielsweise bei Wikipedia zu berichten weiß. Der schnellste Weg, den FRE für seine eigenen Texten zu ermitteln, bietet sich auf der Internetseite leichtlesbar.ch an.
Als Ergebnis erhält man nicht nur den Flesch Index, sondern auch die Anzahl der Wörter und Sätze. Außerdem werden die Indexwerte bestimmten Bildungsgruppen (beispielsweise: „31 bis 40: etwas schwierig – Mittelschule“) beziehungsweise diversen publizistischen Gattungen zugeordnet. Über die Aussagekraft solcher Vergleiche lässt sich freilich streiten, nicht zuletzt, da der FRE für die englische Sprache entwickelt wurde. Trotz des begrenzten praktischen Nutzens erweist sich ein Blick in das mathematische Zahlenuniversum der eigenen Texte als durchaus reizvoller Streifzug.
Links
http://de.wikipedia.org/wiki/Lesbarkeitsindex
http://www.leichtlesbar.ch/html/index.html
http://www.projekt-pin.net/kurse/[...]
http://www.lunerouge.org/spip/[...]
Ergebnisse von leichtlesbar.ch für diesen Artikel:
„Unsere Analyse hat ergeben:
Ihr Text besteht aus 18 Sätzen mit 276 Wörtern, wovon 187 verschiedene. Sie haben total 499 Silben benutzt (Endsilben auf -e zählen nicht).
Das ergibt einen Flesch-Wert von 38.
Für die Leseleichtigkeit (erforderliche Bildung für gutes Verständnis) eines allgemeinen deutschen* Textes gilt in der Regel: 91 bis 100 extrem leicht (5. Klasse) 71 bis 90 sehr leicht (6. bis 8. Klasse) 51 bis 70 leicht (Abschlussklasse) 41 bis 50 durchschnittlich (Sek, FOS, Berufsschule) 31 bis 40 etwas schwierig (Mittelschule) 21 bis 30 schwierig (Matura, Abitur) 0 bis 20 sehr schwierig (Hochschulabschluss)
Typische Werte:
90 bis 100 Comics
80 bis 90 Klassische Werbesprüche (Headlines)**
76 Luther-Bibel (Genesis)
65 bis 75 Durchschnittliche Werbesprüche**
65 bis 70 Eingängige Werbebriefe und -texte (Copy)
50 bis 60 Boulevardzeitung
40 bis 50 durchschnittliche Zeitung
20 bis 40 Anspruchsvolle Zeitung: NZZ, FAZ usw.
0 bis 20 Amtsdeutsch
0 bis 10 Allgemeine Geschäftsbedingungen
-10 bis 0 Fachliche Abhandlungen
zurück——————————*) Deutsche Texte kommen in der Regel auf tiefere Werte als englische. Das liegt an der Tendenz des Deutschen zu zusammengesetzten Wörtern sowie zu Vor- und Nachsilben. Wir haben deshalb die Erklärungen, die Flesch zu seinen Werten gibt, durch eigene Tests ergänzt und an die deutsche Sprache angepasst. (Nach Flesch wäre ein Fachschulabschluss erforderlich, um einen Text mit einem Wert von 50 zu verstehen).
**) Textauswahl nach Milo Schraner, «Konzeptionelles Kursbuch. Grundlagen der kreativen Werbung.» (1988)”
Zwar gibt es mit Gaim, Trillian, Miranda oder QIP inzwischen allerlei werbefreie Instant-Messenger, unumstrittener Platzhirsch bleibt aber weiterhin ICQ, welcher nunmehr bei Ausgabe Nr. 6 angelangt ist und eine renovierte, deutschsprachige Benutzeroberfläche besitzt.
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