In insgesamt drei Teilen setzt sich zarathustra.6x.to kritisch mit Statistiken rund um die Bundesrepublik auseinander. Diesmal stehen die Bevölkerungsentwicklung und der Außenhandel im Mittelpunkt der Betrachtung:
Kinderarmut und rapide alternde Gesellschaft
Im wahrsten Sinne des Wortes einsamer und trauriger Rekordwert ist die – statistisch betrachtet – Zahl der Lebendgeburten in der Republik: 2004 erblickten mit 705622 sowenig Kinder wie noch nie zuvor das Licht der Welt – bezogen auf den Beginn der statistischen Aufzeichnungen 1946. Trend: Weiterhin rückläufig, denn 2005 waren es schätzungsweise nur noch 680000 bis 690000 Lebendgeburten. Betrachtet man die geborenen Kinder je Frau, so hat sich zumindest in den alten Bundesländern seit Ende der 70er Jahre nicht viel verändert: Der Wert schwankt zwischen maximal 1,45 (1975,1976,1990) und minimal 1,28 (1985), in 2004 waren es durchschnittlich 1,37 Geburten je Frau. Eingebrochen ist hingegen die Geburtenrate Anfang bis Mitte der neunziger Jahre in Ostdeutschland, seitdem steigerte sich diese jedoch kontinuierlich von 0,77 (1995) auf 1,31 (2004). Im Europäischen Vergleich belegt Deutschland damit die hinteren Plätze, dennoch ist die Republik selbst mit dieser niedrigen Geburtenzahl weit vom Bild’schen Begriff des „Aussterbens“ entfernt. Unmittelbar dem Medienecho nachäffend folgte die politische Debatte: Von kostenlosen Kindergärten war und ist beispielsweise die Rede. Nicht nur, dass das Aufziehen von Kindern eine gesellschaftliche Leistung höchsten Ranges ist, deren Stellenwert in einer schizophrenen Spaß- und Freizeitgesellschaft so genannten „Karrierezielen“ zum Opfer gefallen ist, sondern auch und insbesondere Unternehmen sind angehalten, mit einer nicht nur in Worten formulierten “kinderfreundlichen Firmenphilosophie“ ihren Beitrag zu leisten. Das sich Kinder und Karriere nicht zwangsläufig ausschließen, machen gerade die skandinavischen Länder wie Schweden vor. Dennoch: Solange beim gemeinen Bürger Zukunftsunsicherheiten- und ängste überwiegen, wird sich an der allgemeinen Geburtenschwäche nichts ändern – Deutschland schrumpft, zwar langsam, aber kontinuierlich. Zahlenmäßig formuliert ging die Bevölkerung von 82,520 im Jahr 2003 auf 82,464 Millionen in 2005 zurück. Größere Auswirkungen hingegen hat die auf niedrigem Level stagnierende Geburtenrate auf die über Jahrzehnte ausgebauten umfangreichen sozialen Sicherungssysteme des Landes. Immer weniger Erwerbstätige müssen – bezogen auf die Leistung pro Kopf – immer mehr für immer ältere Menschen leisten. Bisher wurde, nicht zuletzt dank ausgeprägtem und beharrendem Lobbyismus in Berlin, der notwendige umfassende Schlussstrich im defizitären Renten- und Gesundheitssystem allenfalls durch kleiner “Reförmchen” hinausgezögert. Jedenfalls steht schon heute fest, wer die Rechnung für das zumindest teilweise verantwortungslose Handeln der Politiker trägt – es sind gerade die jungen Menschen, denen die Zukunft durch eine hinhaltende Politik der Art “Die Renten sind sicher…” verbaut wird:


Exportweltmeister
Das viel zitierte Zugpferd der deutschen Wirtschaft läuft weiter auf vollen Touren:
So ist – laut vorläufigen Angaben des statistischen Bundesamts – der Außenhandelsüberschuss im vergangenen Jahr auf einen historischen Rekordwert von 160,5 Milliarden Euro gestiegen – 8,7 Prozent mehr als in 2004. Insgesamt wurden Waren im Wert von 786,2 Milliarden ausgeführt. Die Schwankungen der Leistungsbeiträge einzelner Bundesländer ist dabei immens, so exportierten die fünf Ostdeutschen Bundesländer einschließlich Berlin mit zusammen 52,2 Milliarden Euro deutlich weniger als die Hälfte der monetären Werte von Bayern, Baden-Württemberg und Nordrein-Westfalen, die jeweils Produkte und Leistungen im Wert von über 100 Milliarden Euro ausführten. Den Platz an der Sonne führt Nordrein-Westfalen mit exportierten Gütern in Höhe von zirka 142,7 Milliarden Euro an, importierte allerdings auf der Gegenseite Sachwerte in Höhe von 149,6 Milliarden Euro.
Quellen und Links
http://www.destatis.de/
| Gesellschaft-und-Politik | 31. März 2006 2439 x gelesen Schlagwörter: demographische entwicklung, deutschland
Unter der Parole „Join the Vision“ startete am 08. März die CeBIT 2006 in Hannover –
diesen Mittwoch endete Sie. Dabei kann man sogar auf ein kleines Jubiläum zurückblicken, denn seit 20 Jahren zeigt die größte Computermesse der Welt zukunftsweisende Trends und Technologien der Informations- und Telekommunikationsbranche auf. Zwar kamen zur diesjährigen Messe mit 450.000 Besuchern knapp 45.000 Menschen weniger als im letzten Jahr, trotzdem blieb die Ausstellerzahl stabil bei 6262, über die Hälfte davon aus dem Ausland. Der visuelle Rückblick von zarathustra.6x.to bietet einen kleinen Ausschnitt an aktuellen Trends und kuriosen Ausstellungsstücken:
YouTube & Co machen es vor: Bewegtbilder im Internet liegen im Trend – selbst der altehrwürdige 20-Uhr-Tagesschau-Termin wird im Netz in Frage gestellt. Doch was bringt das flexible Allerweltsfernsehen auf dem heimischen PC? Der nachfolgende Artikel setzt sich kritisch mit dem so genannten „Video-on-Demand“ auseinander.
Der Streit um die Karikaturen, die von der dänischen Zeitung Jyllands Post veröffentlicht wurden, spitzt sich inzwischen auf recht abenteuerliche Weise zu. Insbesondere verleitet die aktuelle Debatte vorschnell zum Untermauern ideologischer Standpunkte. Auf beiden Seiten versteht sich. In Europa hätte man wahrscheinlich vor 100 Jahren auf die Verunglimpfung religiöser Inhalte nicht anders reagiert, als dies heute die Moslems, oder zumindest ein Teil davon, tun.