Anleitung: Verschollene Bilder von USB-Sticks und Speicherkarten wiederherstellen

Zeigt ein USB-Stick seltsame Sonderzeichen statt der ursprünglich vorhandenen JPEG-Bilder an hat man dies mit hoher Wahrscheinlichkeit einem fehlerhaften Dateisystem zu verdanken.
Mit der Open-Source-Lösung „PhotoRec“ – Bestandteil des beliebten Datenrettungswerkzeugs „TestDisk“ – lässt sich verlorengegangenes Pixelmaterial zuverlässig aus dem Datennirvana zurückholen.

Hier ist etwas schiefgelaufen: Statt JPEG-Bildern werden nur Hieroglyphen mit seltsamen Sonderzeichen auf dem USB-Stick präsentiert. PhotoRec hilft, die verlorengegangenen Daten wiederherzustellen

Ausgangssituation: Sonderzeichen wie @ und fehlende Dateiendungen können ihren Ursprung in defekten Dateisystemen/Partitionstabellen haben. Mit dem in Testdisk enthaltenen Wiederherstellungs-Werkzeug „PhotoRec“ kann der Versuch einer Datenrettung unternommen werden. Die Software (GPL) steht für Linux, Windows sowie Mac OS X zur Verfügung und muss nicht installiert werden: Einfach das entsprechende ZIP-Archiv herunterladen, entpacken und „Photorec“ im Ordner „testdisk-6.8“ – „win“ – „photorec_win.exe“ starten. Anschließend öffnet sich die Windows-Shell

PhotoRec läuft leider nur über die Windows-Konsole und verfügt über keine grafische Oberfläche. Dennoch konnte die Software alle zerstörten Bilder wiederherstellen

Schritt 1: Als erstes muss der entsprechende Datenträger ausgewählt werden, auf dem sich die defekten/gelöschten Daten befinden. Leider zeigt „PhotoRec“ keine Laufwerksbuchstaben an, am praktikabelsten ist es da, sich an den Speichergrößen zur orientieren, im Beispiel ein 128-MByte-USB-Stick („Disk /dev/sdb“), danach „Proceed“ über die Pfeiltasten auswählen und mit „Enter“ bestätigen.

PhotoRec steht nicht nur für Windows, sondern auch zahlreiche andere Betriebssysteme (Mac OS X, Sun, XBox) zur Verfügung. PC-Nutzer wählen als Partitionstabellen-Typ

Schritt 2: Windows-Nutzer wählen hier den Eintrag „Intel – Intel/PC partition“, anschließend mit „Enter“ bestätigen.

Um alle verlorengegangenen Bilder wiederherzustellen empfiehlt es sich, den gesamten Datenträger (Whole disk) zu durchforsten

Schritt 3: Nun fragt „PhotoRec“, welche Partition auf dem entsprechenden Datenträger
nach verschollenen Daten durchsucht werden sollen, im Zweifelsfall einfach die komplette Disk („Whole Disk“) auswählen, „Search“ auswählen und mit „Enter“ bestätigen

PC-Nutzer wählen hier den Eintrag

Schritt 4: Nun braucht „PhotoRec“ noch das passende Dateisystem, Windows/Linux-Nutzer wählen hier den Eintrag „Other“ (FAT/NTFS/HFS+/ReiserFS e.c.)

Im letzten Schritt vor der eigentlichen Datenwiederherstellung fragt PhotoRec nach dem Speicherort für die wiederherzustellenden Daten. Üblich ist hier das Installationsverzeichnis von PhotoRec.

Schritt 5: Anschließend kann das Zielverzeichnis der Datenwiederherstellung angegeben werden. Bestätigt man das Eingabefeld sofort mit „Y“ (je nach Tastaturlayout auch „Z“). werden die Daten in jenes Verzeichnis kopiert, aus dem „PhotoRec“ gestartet wurde. Im Test wurde dies mit „recup_dir.1“ benannt. Wichtig: Das wiederherzustellende Material NIE auf dem Quelldatenträger sichern.

Der Diagnoseprozess benötigt je nach Datenträgergröße (des USB-Sticks) ein wenig Zeit, zeigt dafür aber in Echtzeit die bereits wiederhergestellten Bilder an.

Schritt 6: Der Wiederherstellungsprozess beginnt. Praktisch: „PhotoRec“ gibt in Echzeit Auskunft darüber, welche Daten bereits wiederhergestellt wurden.

Fertig! 78 zerstörte JPEG-Bilder konnten mit PhotoRec schlussendlich gerettet werden. Das entspricht einer Wiederherstellungsquote von 100% - zumindest in diesem Beispiel

Schritt 7: Fertig! 78 JPEG-Bilder konnten gerettet werden – das entspricht einer Erfolgsquote von 100%. Ein kleiner Wermutstropfen blieb allerdings: Die Originalnamen der Bilder konnten nicht revitalisiert werden.

Download: PhotoRec (Bestandteil von Testdisk), Version 6.8, Windows, ZIP

Netzauftritt: cgsecurity.org/wiki/TestDisk

Kategorie im Netzverzeichnis: Systemwerkzeuge

| | 29. Oktober 2007 10913 x gelesen Schlagwörter: datenrettung, defekte dateien reparieren, fotos wiederherstellen, open source, photorec

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